8 12
Uta Geyer hat ein tolles Gespür für Formen und Trends. Mit geradezu schlafwandlerischer Sicherheit trifft sie den Zeitgeist auf den Punkt, und das lange bevor er um die Straßenecke gebogen und für alle sichtbar ist. Nachahmer und Kopisten sind ihr auf der Spur, manchmal dauert es allerdings ein wenig, bis diese die Genialität einer Idee erkannt und sie in ein kommerzielles Produkt umgesetzt haben. Hat Uta doch bereits 1984 den dringenden Bedarf an Legobrillen erkannt und ihren Prototypen im Kreis ihres schon damals in Gründung befindlichen Familienunternehmens ausgiebig getestet. Mehr als 20 Jahre sollten vergehen, ehe Jean-Charles de Castelbajac es wagte, seine (doch sehr gemäßigte) Version dieser Brille auf den Markt werfen.
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//“Schon hier werden die Strukturen des heutigen Lunettes-Familienunternehmens deutlich.
Erste Reihe rechts außen , Anke Geyer, Design Website & Onlineshop; zweite Reihe rechts außen: Uta Geyer, Inhaberin Lunettes Brillenagentur. Schon 1984 zeigt der hohe Individualitätsanspruch der später entwickelten Lunettes-Creationen. Man beachte: costumized/bespoke Brillenbügel für Mr. Teddy, links außen. “//
21 11
>>>„In Köln habe ich mal in einer Drogerie gearbeitet. 6 DM gab’s pro Stunde, angemeldet. Ich musste einen weißen Kittel tragen und war eigentlich permanent erkältet, weil ich die Klimaanlage nicht vertragen habe. Mein Job war es, Toilettenpapier in die Regale zu schichten. Wahrscheinlich habe ich auch andere Waren ein- oder ausgeräumt, aber ich erinnere mich nur an das Toilettenpapier und dass ich die Arbeit als ziemlich erniedrigend empfunden habe. Dazu kam, dass die Kolleginnen fast nicht mit mir sprachen, weil sie wohl dachten, ich hielte mich als Studentin für was Besseres. Ich habe viele solcher Jobs gemacht, um ein bisschen Geld dazu zu verdienen, aber dieser war, vielleicht wegen des Gefühls der Isolation, der unangenehmste.“
//Foto: Michael Hoelzl©2009VG-Bildkunst-Bonn//
Nebenjobs begleiten uns heute oft ein ganzes Leben. Wenn wir uns während Studium und Ausbildungszeit noch damit trösten konnten, dass schlecht bezahlte Hilfs- und Nebenjobs nur ein Übergang und notwendiges Übel sein würden, bevor wir in die Hochglanzwelt der gut dotierten Stellen eintauchen, mussten wir oft nach unserem Abschluss feststellen, dass wir nach dem (mit Nebenjobs finanzierten) Praktikum nur ein weiteres Praktikum machen dürfen und dass das wohl so weiter gehen wird, bis uns nach Praktikum X vielleicht auch mal jemand eine ehrenamtliche Stelle anbietet. Es bleibt der Nebenjob. Irgendwoher muss das Geld ja kommen.
15 09
Aus meiner Lieblingszeitschrift flattert Post. Da steht “Danke, für die letzte Nacht” und “Willst du wirklich Schluss mit mir machen?” Nein, ich kenne den Absender nicht persönlich, folgerichtig handelt es sich hier also um Stalking… Werbe-Stalking, um genau zu sein.
25 08
Zehn Tage, zehn Kleider. Schneiden, Stecken, Nähen. Nachts, wenn alle Texte fertig sind, surrt die Maschine. Fühlt sich gut an…
13 08
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Klare Ansage. Die junge französische Künstlerin Princess Hijab zieht sich den schwarzen Schleier an und streift durchs nächtliche Paris, um Werbeposter zu „hijabizen“ und ihre Hijab-Ads and Wände zu kleben. Auch das Internet ist nicht vor ihrem Kampf sicher. „Straight edge in behaviour and language, I’m a mutant fighting for a cause,“ beschreibt sie sich selbst.
9 08
„Bist bliind, do is a ampl,“ brüllt der Typ, der mich gerade fast überfahren hat. „Du Depp, do is a Zebrastreifen!“ Brülle ich zurück. Schade. Als ich gerade richtig in Wien angekommen bin, muss ich auch schon wieder fahren.
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Eine Woche lang habe ich Berlin Kreuzberg mit dem Kreuzberg Wiens getauscht. Und das Gleiche gemacht, wie zu Hause, nur woanders. Mein Tag in Ö: Morgens mit einem Nusskipferl über den Brunnenmarkt laufen (Montag bis Samstag, ca. 7 bis 17.00 Uhr), Ribiseln, Marillen und Eierschwammerl kaufen, dann weiter zum Yppenplatz, sich im Noi einen ordentlichen Großen Braunen ziehen und schon mal nachsehen, ob die Abendkarte zum Wiederkommen animiert. Dann zur Alten Donau und beherzt ins wunderbar weiche Wasser springen, einen Abstecher zu Song, im 2. Bezirk machen, alle Margiela Schuhe einmal anprobieren, kurz die Ausstellung ansehen und dann in die Gumpendorfer Strasse fahren.
27 07
Endlich sagt mir mal jemand was ich falsch mache! In der August-Ausgabe der französischen Marie-Claire geben echte Männer echte Statements zu Frauenkleidung ab. Diese Strecke wird mein Leben verändern.
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Zur Sarouel-, oder auch Jodhpur-Hose kommentiert zum Beispiel Adanowsky (ein etwa mittdreissigjähriges Milchgesicht mit Bussi-Bär-Auf-Red-Bull-Sexappeal) „Näh, da sieht die ja aus, als hätte sie sich in ihre Mönchskutte gemacht“.
19 07
18. Juli 2009. Wir packen Picknickdecke, Sandwiches, Kirschen, Saft und Badesachen ein, schwingen uns auf’s Rad – und fahren zur Art Biesenthal.
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Schon zum vierten Mal öffnet Michael Hecken Haus und Hof für das gemeine Volk und präsentiert neben beeindruckender Natur eine ganz private Auslese moderner Kunst, wohltemperiert und in gut verdaulichen Häppchen.
Die Anfahrt ist ein Abenteuer, das Berliner S-Bahn Netz ein einziger Schienenersatzverkehr. Als wir endlich am Bahnhof Bernau ankommen, verzichten wir gerne darauf, die letzte Etappe auch im Zug zurückzulegen und fahren mit den Rädern. Der Espresso in der Kneipe wird uns helfen. Auf dem Damenklo: Spiegel mit verdächtigen, weißen Schlieren. Wie war das noch mal mit der heilen Landwelt?
15 07
In der Mode haben es die Attribute „nachhaltig“ und „bio“ von wollsockentragenden Müsliwiederkäuern bis auf die Astralkörper superverwöhnter Vogue-Models geschafft. Jetzt ziehen auch periphere Branchen nach. Die Londonerin Mica Lamb hat eine Repräsentanz für Luxus-Öko-Labels gegründet.
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Grün ist das neue Schwarz! Heute schmückt sich jeder gerne mit dem Gutmenschen-Etikett und das gilt insbesondere, seitdem auch politisch und ökologisch korrekte Kleidung wirklich schick bis luxuriös daherkommt. Kratzige Stoffe in langweiligen Farben gehören weitgehend der Vergangenheit an. Moderne Green Fashion Label verarbeiten Seide, Chiffon, Tüll und veganes Leder in unterschiedlichsten Tönen, alles mit dem Prädikat „nachhaltig“ oder „bio“ und stehen den konventionellen in punkto Glamour in nichts mehr nach. Aber halten die Green-Luxury-Label auch, was sie dem geläuterten Konsumenten versprechen? Die Chefin der Londoner Representanz AgentForChange, Mica Lamb, geht in der Auswahl ihrer Brands keine Kompromisse ein. Auch und besonders, wenn es um luxuriöses Tragegefühl und innovative Designs geht.
12 07
___In Deinen Arbeiten beschäftigst Du Dich immer wieder mit Mode, bzw. schneidest das Thema Mode an. Was bedeutet Mode für Dich? Gibt es ein Grundthema, das Dich nicht loslässt und das immer wieder in Deinen Arbeiten auftaucht?
AM_Ganz abgesehen davon, dass ich nach bestandenem Voreignungstest einer Kunsthochschule zunächst eine Ausbildung zum Schneider absolviert habe, bin ich als Künstler immer im engen Kontakt zum Modedesign geblieben. Für einige Jahre war ich mindestens einmal pro Jahr bei den Schauen in Paris. Mir wurde angeboten, als Einkäufer zu arbeiten oder über aktuelle Mode zu schreiben. Allerdings interessiert mich Mode als Anziehanleitung für die nächsten 6 Monate wenig. Als Modedesigner würde ich dieses Konzept sogar ablehnen. Als Künstler bin ich aber - im Gegensatz zu vielen meiner Kollegen, die sich zumeist der Vergangenheit versichern - gerade daran interessiert, wie man jedes Jahr aufs Neue versucht, in der Gegenwart die Zukunft zu entdecken. Auch verbindet mich mit dem Modedesign die herantastende Vorgehensweise, da sich meiner Meinung nach Zukunft anders nicht erarbeiten lässt.