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		<title>Der Mann ohne Gesicht</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Oct 2013 07:45:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Rauh</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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		<description><![CDATA[Es gibt kein Foto von Martin Margiela außer einem vermeintlichen von 1997, das mit 11 Jahren Verspätung in der New York Times gedruckt wurde. Das Problem daran: ehemalige Mitarbeiter von Martin Margiela sagen, bei dem Mann auf dem Bild handele es sich keinesfalls um Martin Margiela. Was exakt dem Prinzip Margiela entspricht, egal, wer da nun auf diesem Foto zu sehen ist. Erstaunlicherweise führte das Foto bei seinem Erscheinen aber zu überhaupt keinem nennenswerten Aufruhr in der dem Personenkult verfallenen Modeindustrie. Vielleicht gibt es kein wirkliches Interesse daran, Margiela zu enttarnen, weil der Spaß dann ja irgendwie auch vorbei wäre. Im Dezember hat Margiela nun tatsächlich die Maison Martin Margiela und damit die Bühne, die er eigentlich nie richtig betreten hat, nach mehr als 20 Jahren verlassen. Was bleibt vom Meister der surrealen Mode und wie geht es weiter mit seiner Marke? &#160;  //Foto: Michael Hoelzl©2013VG-Bildkunst-Bonn// &#160; Eine Duftmarke hat Martin Margiela noch gesetzt, bevor er eingepackt und das Designerkollektiv in der Rue Saint-Maur sich selbst überlassen hat. Sein Parfum heißt „Untitled“ und wurde in Zusammenarbeit mit L’Oréal entwickelt. „Ich denke, das Parfum für L’Oreal war Martins letzter Akt für Maison Martin Margiela. Ein surrealistischer Duft &#8211; ähnlich vielleicht Marcel Duchamps „Pariser [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt kein Foto von Martin Margiela außer einem vermeintlichen von 1997, das mit 11 Jahren Verspätung in der New York Times gedruckt wurde. Das Problem daran: ehemalige Mitarbeiter von Martin Margiela sagen, bei dem Mann auf dem Bild handele es sich keinesfalls um Martin Margiela. Was exakt dem Prinzip Margiela entspricht, egal, wer da nun auf diesem Foto zu sehen ist. Erstaunlicherweise führte das Foto bei seinem Erscheinen aber zu überhaupt keinem nennenswerten Aufruhr in der dem Personenkult verfallenen Modeindustrie. Vielleicht gibt es kein wirkliches Interesse daran, Margiela zu enttarnen, weil der Spaß dann ja irgendwie auch vorbei wäre. Im Dezember hat Margiela nun tatsächlich die Maison Martin Margiela und damit die Bühne, die er eigentlich nie richtig betreten hat, nach mehr als 20 Jahren verlassen. Was bleibt vom Meister der surrealen Mode und wie geht es weiter mit seiner Marke?</p>
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<p><a href="http://gracekeller.de/wp-content/uploads/2013/10/MMM2010_©MichaelHoelzl.jpg"><img class="size-full wp-image-364 aligncenter" alt="MMM2010_©MichaelHoelzl" src="http://gracekeller.de/wp-content/uploads/2013/10/MMM2010_©MichaelHoelzl.jpg" width="680" height="440" /></a></p>
<p style="text-align: center;"> //Foto: <a href="http://www.michaelhoelzl.com/" target="_blank">Michael Hoelzl</a>©2013VG-Bildkunst-Bonn//</p>
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<p>Eine Duftmarke hat Martin Margiela noch gesetzt, bevor er eingepackt und das Designerkollektiv in der Rue Saint-Maur sich selbst überlassen hat. Sein Parfum heißt „Untitled“ und wurde in Zusammenarbeit mit L’Oréal entwickelt. „Ich denke, das Parfum für L’Oreal war Martins letzter Akt für Maison Martin Margiela. Ein surrealistischer Duft &#8211; ähnlich vielleicht Marcel Duchamps „Pariser Luft“ &#8211; gleichzeitig auch sehr autobiografisch, indem er uns an Martins langjährigen Favoriten Patchouli erinnert. Und was für eine Flasche: fashion and the&#8230; bubble,“ schreibt Chris Dercon, Direktor des Hauses der Kunst in München. Über die Wahl des Partners könnte man sich wundern &#8211; gehörte MMM nicht ohnehin seit ein paar Jahren zu Renzo Rossos mächtigem Diesel-Konzern, womit es längst, wenn auch indirekt, im Mainstream angekommen ist. Margiela ist gegangen, der Duft ohne Titel wird uns wahrscheinlich noch viele Jahre auf den Straßen von Paris, Berlin und Tokio anwehen wie der Duft eines Geliebten, der noch lange im Raum schwebt. Aber blicken wir zurück. Martin Margiela wuchs als Sohn eines Parfum- und Perückenhändlers im belgischen Limburg auf und studierte später an der Königlichen Akademie der Schönen Künste in Antwerpen. Dort, so heißt es, sei er quasi die Nummer 7 der legendären Antwerp Six gewesen – Bikkembergs, Demeulemeester, van Beirendonck, van Noten, Yee und van Saene – aber wer sich mit dem Phänomen Margiela und seiner Geschichte befasst, stößt immer wieder auf Ungereimtheiten, so auch hier. Die Zusammensetzung der Antwerp Six wechselt je nach Quelle, es scheint, als würde man nach Informationen Suchende ganz bewusst verwirren. Jedenfalls schloss Margiela sein Studium bereits vor den anderen ab, ging nicht mit nach London und machte sich nach ein paar Assistenzjahren bei Jean Paul Gaultier 1988 zusammen mit seiner Partnerin Jenny Meirens als Maison Martin Margiela selbständig. Nebenbei war er von 1998 bis 2003 Chefdesigner des eher konservativen Hauses Hermès, was angesichts seines avantgardistischen Ansatzes seltsam anmutet, aber für seine ausgeprägte Liebe zum Handwerk spricht, aus dessen genauer Kenntnis bestimmte Designs überhaupt erst entstehen konnten. „Es geht nicht um Recycling und Dekonstruktion, sondern um gutes Schneiderhandwerk,“ fasst Linda Loppa, die Margiela von Anfang an als frühere Intendantin des berühmten MoMu (Modemuseum in Antwerpen) förderte und heute Direktorin der Polimoda (International Institute of Fashion Design and Marketing) in Florenz ist, Margielas Ansatz zusammen. Nur wer weiß, wie ein Blazer geschnitten ist, kann ihn auch dekonstruieren.</p>
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<p><a href="http://gracekeller.de/wp-content/uploads/2013/10/MMM_9750_©MichaelHoelzl.jpg"><img class="size-full wp-image-368 aligncenter" alt="MMM_9750_©MichaelHoelzl" src="http://gracekeller.de/wp-content/uploads/2013/10/MMM_9750_©MichaelHoelzl.jpg" width="680" height="440" /></a></p>
<p style="text-align: center;"> //Foto: <a href="http://www.michaelhoelzl.com/" target="_blank">Michael Hoelzl</a>©2013VG-Bildkunst-Bonn//</p>
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<p>Für die 90er Jahre war die Vorgehensweise Margielas geradezu unerhört. Zur Blütezeit des Pomp und des Personenkultes verweigerte er sich dem Medienrummel um die eigene Person. Schon bald delegierte er Interviews an sein Pressebüro, man sprach von „wir“, von einer kollektiven Identität, die sich einem Geheimbund gleich im Pariser Atelier zusammenfand und im Verborgenen an immer neuen Kreationen wirkte. Gemeinsam, gelenkt von ihm, dem Meister aus Flamen, von dem noch heute alle schwärmen, die dabei waren. „Du würdest ihn mögen,“ sagt einer, der mit ihm gearbeitet hat. Bescheiden sei er, zurückhaltend und empathisch. Manchmal sei er im Mini-Cooper auf den Hof gefahren, oft sei er aber auch einfach zu Fuß gekommen. Einen eigenen Arbeitsraum habe Margiela nicht gehabt. Der einzige Luxus, den er sich leistete, sei die ihm vorbehaltene Treppe in das Atelier gewesen. Seine Mitarbeiter wussten nie, ob er vielleicht schon da war oder gleich kommen würde, oder möglicherweise doch nicht. Allerdings war seine konzeptionelle Methodik vom Team ohnehin so intensiv verinnerlicht, dass er bei Erscheinen auch kaum wahrgenommen wurde. Radikal war sein Ansatz, das Unsichtbare nach außen zu kehren, Altes in einen neuen Kontext zu bringen, das Neue zu antikisieren und das Kollektive über das Persönliche zu stellen. Manches ging dabei ins Groteske. Die Models trugen Haarperücken über den Gesichtern, defilierten mit schwarz geschminkten Augenbalken, ihre Köpfe wurden mit Nylonstrümpfen anonymisiert. Möbel bekamen Hussen, Böden wurden einheitlich geweißt. Margielas Mitarbeiter waren stets in weiße Kittel gehüllt. Das betraf alles und alle und war ein ausgesprochenes Dogma, sogar für die Kantinenköche. Er, Jenny Meirens und ein weiterer Mitarbeiter trugen diese Farbe aber nie. Auf geradezu maßlose Art zelebrierte Margiela seine Bescheidenheit und Zurücknahme und katapultierte sich gerade so in den Olymp des Personenkults. Es gipfelte darin, dass er sich irgendwann überhaupt nicht mehr fotografieren ließ, auch von engen Mitarbeitern gab es keine Bilder mehr und Interviews, wenn überhaupt, nur noch schriftlich. Ein merkwürdiger Habitus für jemanden, der in einer profilneurotischen Branche, die vor allem von Selbstinszenierung lebt, eine nicht immer geschätzte, aber über lange Zeit zentrale Rolle spielt. Erstaunlich auch, dass das Konzept des Nichterscheinens mehr als zwanzig Jahre lang konsequent umgesetzt werden konnte. Und beinahe noch erstaunlicher, dass Martin Margielas konzeptionelles Understatement noch nach seinem offiziellen Ausscheiden aus dem Unternehmen, das seinen Namen trägt, von Dritten wie selbstverständlich fortgeführt wird. Vielleicht geschieht dies tatsächlich aus Respekt.</p>
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<p style="text-align: center;"><a href="http://gracekeller.de/wp-content/uploads/2013/10/MMM_9739_©MichaelHoelzl.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-370" alt="MMM_9739_©MichaelHoelzl" src="http://gracekeller.de/wp-content/uploads/2013/10/MMM_9739_©MichaelHoelzl.jpg" width="680" height="440" /></a></p>
<p style="text-align: center;"> //Foto: <a href="http://www.michaelhoelzl.com/" target="_blank">Michael Hoelzl</a>©2013VG-Bildkunst-Bonn//</p>
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<p>Mit den markanten No-Logos hat Margiela den Grundstein zu einer Bewegung gelegt, die in seiner Anfangszeit Underground war und heute beinahe Mainstream ist. Welch’ passende Ironie: sein No-Logo als Branding ist um ein vielfaches prägnanter, als es ein Etikett mit gut lesbarem Markennamen je sein könnte. Der einfache Stoffschnipsel, in immergleicher Art mit groben Stichen in die Kleidung geheftet, ist eine klare Kennzeichnung, die Margielas Kleidung unmissverständlich ihrer Herkunft zuordnet. Die Nummerierung erfolgt nach klar festgelegten Codes, die Eingeweihte wie Hieroglyphen dechiffrieren und wie ein Mantra beten. So steht die 0 für die von Hand gefertigte Artisanal-Kollektion, die 3 steht für Parfum, 22 für Schuhe, 11 für Accessoires, 13 für Objekte und Publikationen, usw. Den Zahlen 0 bis 23 ist konsistent eine bestimmte Linie oder ein bestimmtes Projekt zugeschrieben; in einer Zahlenreihe wird die jeweils geltende von einem schlichten Kreis umschlossen. Wie Rei Kawakubo auch war Martin Margiela Role-Model einer Ära und beeinflusste die Talente des zeitgenössischen Fashion Business. Haider Ackermann, Raf Simons oder Viktor &amp; Rolf – alle konzeptionell Arbeitenden, die sich heute großer Popularität erfreuen, sind von ihm geprägt. Wie sehr, lässt ihre Reaktion auf die Anfrage einer Stellungnahme zum Kollegen vermuten: „Ich glaube nicht, dass er dazu etwas zu sagen hat, da er keinerlei Verbindung zu ihnen (MMM, Anm.d.R.) hat,“ war die prompte Antwort von Haider Ackermanns PR-Abteilung in Paris &#8211; was leicht verschnupft klingt, wenn man bedenkt, dass der in Antwerpen ausgebildete Kolumbianer kurzzeitig für den Posten des Creative Directors im Haus Margiela im Gespräch war. Ähnliches ist von Raf Simons Presseabteilung zu vernehmen, auch wenn diese sich diplomatischer auszudrücken weiß. Und selbst das Label BLESS, das immerhin im gleichen Pariser Hinterhof logierte, mit Margiela zumindest gut bekannt war und oft als Epigone wahrgenommen wird, gibt sich zugeknöpft, mit der Begründung, dass das Haus Margiela „durch Martins Verlassen auch ein wenig an Bedeutung verloren“ habe. Ob es die Angst vor dem Vergleich ist, schlichter Zeitmangel oder branchentypische Borniertheit? Das Gesicht wird jedenfalls gewahrt, das eigene und das von Martin Margiela.</p>
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<p style="text-align: center;"><a href="http://gracekeller.de/wp-content/uploads/2013/10/MMM_9744_©MichaelHoelzl.jpg"><img class="size-full wp-image-371 aligncenter" alt="MMM_9744_©MichaelHoelzl" src="http://gracekeller.de/wp-content/uploads/2013/10/MMM_9744_©MichaelHoelzl.jpg" width="680" height="440" /></a></p>
<p style="text-align: center;">//Foto: <a href="http://www.michaelhoelzl.com/" target="_blank">Michael Hoelzl</a>©2013VG-Bildkunst-Bonn//</p>
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<p>Auch nach seinem Fortgang werden die Rätsel um Margiela nicht gelöst. Mit Martin Margiela ist es wie mit dem Kopf eines Geheimbundes, dessen Mitglieder auf mysteriöse Weise dazu gebracht werden, zu schweigen. Nicht nur Margiela selbst, auch die Strategie des Hauses gibt Rätsel auf. Einerseits beschwört MMM in der medialen Verweigerung eine nonkonformistische Avantgarde, die sich den Gesetzen der Branche verweigert, andererseits befinden sich die Boutiquen an schillernden Kultstätten wie der Mailänder Via della Spiga, in der Nähe des Palais Royal in Paris, im schicken Tokioter Distrikt Shibuya oder an der Münchner Leopoldstraße &#8211; und dass der Store ausgerechnet in Beverly Hills nicht leicht zu finden ist, macht die Wahl des Standorts auch nicht subversiver. Aber vielleicht sind das die Kompromisse, die man schließen muss, wenn man seine Mitarbeiter bezahlen und den Rücken für seine Projekte frei haben will. Kreativität ist ohne Kapital eben recht schnell erschöpft. Die Tatsache, dass Martin Margiela nie wie ein typischer Chefdesigner gearbeitet hat, mag der Grund dafür sein, dass es tatsächlich in seinem Sinn weitergeht, möglicherweise ganz anders als es bei Helmut Lang, Wolfgang Joop oder auch Jil Sander der Fall war. Auch sie wurden von großen Konzernen aufgekauft – doch das von ihnen verkörperte Design wurde im Anschluss verraten. Vielleicht hat Margiela es wirklich geschafft, seinem Team den Kollektivgedanken so stark einzuprägen – und die Weigerungen, ihn preiszugeben, der Presse Bilder oder auch nur eine Beschreibung von ihm oder seinem Gesicht zuzuspielen, sprechen dafür – dass sein Konzept auch ohne ihn weitergeführt wird. Wie es im Märchen „Des Kaisersneue Kleider“ nur die Idee anstatt des Stoffes gibt, bedarf es für Maison Martin Margiela keiner greifbaren Person. Konzept geht über Körper, die Linie lebt im Schwarm. Das dies gelingt, lässt auch die Präsentation der Homecollection im eleganten Mailänder Corso Como anlässlich des Salone del Mobile hoffen. Als wäre nichts geschehen gibt sich das Who-is-Who der internationalen Fashion- und Designelite im April 2010 zu „Position Assis“, „The Maison in a Room“ und „Moustache Guard“ die Klinke in die Hand.</p>
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<p style="text-align: center;"><a href="http://gracekeller.de/wp-content/uploads/2013/10/MMM_9786_©MichaelHoelzl.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-372" alt="MMM_9786_©MichaelHoelzl" src="http://gracekeller.de/wp-content/uploads/2013/10/MMM_9786_©MichaelHoelzl.jpg" width="680" height="440" /></a></p>
<p style="text-align: center;"> //Foto: <a href="http://www.michaelhoelzl.com/" target="_blank">Michael Hoelzl</a>©2013VG-Bildkunst-Bonn//</p>
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<p>Die Maison Martin Margiela Interior Linie greift das Moment der Täuschung des Trompe-l’oeil auf, das schon in Margielas Kleidung eine große Rolle spielt. Entstanden aus einer konkreten Situation &#8211; das Atelier zog aus der herrschaftlichen Maison Particulière in ein zwar schönes, aber teils sehr billig umgebautes ehemaliges Kloster in der Nähe der Rue Oberkampf– begann man, die Stuckelemente der früheren Räume auf Papierbahnen zu drucken, die barocken Türen, das abgelaufene Parkett, und damit den neuen Ort zu verändern, ihm eine andere Identität zu geben, vorwiegend in Weiß, der Farbe des leeren Blattes, das es noch zu beschreiben gilt. Inzwischen hat sich die Interiorlinie verselbständigt. Es gibt Kooperationen mit Droog, luxuriösen Hotels, der Elle Décoration und &#8211; man wagt kaum es auszusprechen &#8211; im Juni 2009 hat Ikea eine Ausstellung mitfinanziert. Margiela ist gegangen, er lässt sein Haus und dessen Bewohner hinter sich. Die Räume werden sich aufs Neue füllen. Wieder und wieder. Und wer weiß, vielleicht mischt er sich einmal unter die Weißkittel in der Rue Saint-Maur, nur so aus Spaß. Wer würde das bemerken?</p>
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<p style="text-align: center;"><a href="http://gracekeller.de/wp-content/uploads/2013/10/MMM_9821_©MichaelHoelzl.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-373" alt="MMM_9821_©MichaelHoelzl" src="http://gracekeller.de/wp-content/uploads/2013/10/MMM_9821_©MichaelHoelzl.jpg" width="680" height="440" /></a></p>
<p style="text-align: center;">//Foto: <a href="http://www.michaelhoelzl.com/" target="_blank">Michael Hoelzl</a>©2013VG-Bildkunst-Bonn//</p>
<p style="text-align: left;">Dieser Beitrag wurde auch in <a href="http://www.trafficnewstogo.de">TRAFFIC News to-go</a> veröffentlicht.</p>
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		<title>Zirkuskinderzeit</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Sep 2013 09:00:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Rauh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlin]]></category>
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		<description><![CDATA[Es war kalt. Dicht an dicht saßen wir im Bus. Als wir die Grenze passierten, die es politisch nicht mehr wirklich gab, wohl aber noch physisch in Form von Grenzhäuschen und wortkargen Grenzern mit langen Mänteln und Fellmützen, die unsere Pässe einsammelten und bestimmt eine ganze lange Stunde prüften, bevor wir weiterfahren durften, waren wir still. Wir, die Wagenladung pubertierender, respektloser, naiver Kleinstadtkids, die wir unbedingt dabei sein wollten, in diesen historischen Tagen, und das am Besten mittendrin. Endlich angekommen, stapften wir ziel- und planlos durch die Gegend. Ich weiß noch, dass ich fürchterlich gefroren habe und, schüchtern wie ich war, nicht wagte, Passanten nach dem Weg zu fragen und dass ich schließlich doch an der Mauer ankam, die mit Hämmern und Meißeln langsam abgetragen wurde. Irgendwo liegt es noch, das kleine Stück Beton, vergraben unter alten Briefen und ersten eigenen Dokumenten. Berlin&#8230; Ich war total überfordert, mit dieser großen, wirren Stadt, die sich in einem flirrenden, fiebrigen Ausnahmezustand bewegte und mich seit dieser ersten Begegnung nicht mehr losgelassen hat. Ich wollte unbedingt zurück in dieses Niemandsland, in diesen Raum, der sich mir und allen anderen gerade öffnete, in diese fremde Welt die so seltsam und so vertraut zugleich war. [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Es war kalt. Dicht an dicht saßen wir im Bus. Als wir die Grenze passierten, die es politisch nicht mehr wirklich gab, wohl aber noch physisch in Form von Grenzhäuschen und wortkargen Grenzern mit langen Mänteln und Fellmützen, die unsere Pässe einsammelten und bestimmt eine ganze lange Stunde prüften, bevor wir weiterfahren durften, waren wir still. Wir, die Wagenladung pubertierender, respektloser, naiver Kleinstadtkids, die wir unbedingt dabei sein wollten, in diesen historischen Tagen, und das am Besten mittendrin.<img title="More..." alt="" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" /></p>
<p><em><img alt="mauer_ps" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/09/mauer_ps.jpg" width="700" height="450" /><br />
</em></p>
<p>Endlich angekommen, stapften wir ziel- und planlos durch die Gegend. Ich weiß noch, dass ich fürchterlich gefroren habe und, schüchtern wie ich war, nicht wagte, Passanten nach dem Weg zu fragen und dass ich schließlich doch an der Mauer ankam, die mit Hämmern und Meißeln langsam abgetragen wurde. Irgendwo liegt es noch, das kleine Stück Beton, vergraben unter alten Briefen und ersten eigenen Dokumenten. Berlin&#8230; Ich war total überfordert, mit dieser großen, wirren Stadt, die sich in einem flirrenden, fiebrigen Ausnahmezustand bewegte und mich seit dieser ersten Begegnung nicht mehr losgelassen hat. Ich wollte unbedingt zurück in dieses Niemandsland, in diesen Raum, der sich mir und allen anderen gerade öffnete, in diese fremde Welt die so seltsam und so vertraut zugleich war. Ich wollte in mein Zirkuskinderland. Ich wollte es so sehr, dass ich sogar davon träumte.</p>
<p>Ein paar Jahre sollte es noch dauern, aber ich kam wieder. Ich werde nie vergessen, wie der Hackesche Markt Anfang der 90er Jahre ausgesehen hat. Ich sehe die Einschusslöcher in den Hausfassaden, die Dunkelheit der Strassen im Prenzlauer Berg, rieche die billigen Kohlen im Winter. Ich erinnere mich daran, dass ich mir fast die Wohnung mit der Gamat-Heizung abgefackelt hätte, weil die Vorhänge zu lang waren, dass ich mich in einer Plastikschüssel in der Küche wusch, weil ein richtiges Bad ein Luxus war, den nicht viele hatten. Ich denke an den Platz an der Mauer-/Ecke Kronenstrasse, gleich hinter dem „Friseur“, auf dem die Reste eines eingefallenen Hauses standen über dessen Kellertreppe man in feuchte, nach Schimmel riechende Kammern stieg, um Caipirinha zu trinken und Trommelmusik zu hören. Ich denke an Autorennen am 17. Juni, die Stadt war leer und  ein alter Mercedes immer noch schneller als die Polizeitrabbis aus dem alten Osten. Ich denke an heimliche Bootstouren durch die Kanalisation, an verlassene Wohnungen, in denen das letzte Frühstück noch auf dem Küchentisch stand, wenn man sie als neuer Mieter übernahm. Ich denke an die vielen, vielen Bars und Clubs und temporären Orte, die aus den Hinterhöfen und in Kellern wuchsen und wucherten, ständig neu, immer woanders, man hätte jeden Tag an einem neuen Platz sein können, an jedem Tag in der Woche.</p>
<p>Die ersten Jahre in Berlin habe ich staunend verbracht. Ich habe mich immer wieder gewundert. Berlin in der Nachwendezeit war ein verwunschener Ort. Eine Stadt die gleichermaßen zusammen wollte wie sie auseinanderstrebte. West und Ost waren so spröde wie leidenschaftlich, wie Geliebte, im ewigen Clinch miteinander, mit dir nicht und ohne dich auch nicht. „Ham wa nich“ wurde zu meiner persönlichen Metapher, zu einer Hymne für das Berlin der 90er Jahre, die etwas kokett sowohl den permanenten Mangel wie auch die Poesie des Immer-Alles-Möglichen umschreibt.</p>
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<p>Dieser Beitrag wurde auch auf <a href="http://www.sounds-like-me.com">Sounds-Like-Me</a> veröffentlicht.</p>
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		<title>New Couture</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Sep 2013 07:52:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Rauh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Design]]></category>
		<category><![CDATA[Fashion]]></category>
		<category><![CDATA[Dawid Tomaszewski]]></category>
		<category><![CDATA[Fashion Week]]></category>
		<category><![CDATA[Frida Weyer]]></category>
		<category><![CDATA[New Couture]]></category>
		<category><![CDATA[Saena]]></category>
		<category><![CDATA[Sam Frenzel]]></category>
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		<description><![CDATA[In Berlin tut sich was. Die Stadt wird glamourös. Gab es noch in den 90er Jahren oft nicht mal einzige Frau im Club, die Lippenstift trug, reichen sich im  Jahr 2010 die sorgfältig zurechtgemachten Schönen die Klinke in die Hand. Und sogar vor den sonst gerade in Berlin so stilberatungsresistenten Herren macht diese Entwicklung nicht halt: Sie sehen aus wie moderne Großstadtdandys, mögen Anzüge und Fliegen, tragen Hüte, Reiterstiefel und Gamaschen und sehen damit so hinreißend aus, dass man sich immer wieder selbst gratuliert, nicht schon längst aus ungeduldiger Verzweiflung das Handtuch geschmissen und in eine der garantiert geschmackssicheren, aber eben doch auch langweiligeren Großstädte gezogen zu sein. Die aktuellen Kollektionen in Berlin lebender Nachwuchsdesigner spiegeln den neuen Trend zum kleidsamen Kleidungsstück wieder. Endlich! Denn es ist höchste Zeit, dem internationalen Publikum etwas anderes anzubieten, als die immergleiche, brav reduzierte New-Media-Großraum-Büro-Wear, oder die ewigen, mit grobem Stich zusammengebastelten Beinkleider aus Hanf oder bedrucktem Cotton.War Berlin bislang nicht eben für die Präsentation von High Fashion und Couture bekannt, scheint sich das, auch dank junger Designer wie Sam Frenzel, Dawid Tomaszewski, Saena und Frida Weyer, allmählich zu ändern. Gut, bleiben wir mal auf dem Teppich, respektive dem absatzmordenden Pflaster über märkischem Sand: Berlin wird im internationalen Fashion-Zirkus bestimmt [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img alt="Picture 3" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2010/01/Picture-3.png" width="1002" height="604" /></p>
<p>In Berlin tut sich was. Die Stadt wird glamourös. Gab es noch in den 90er Jahren oft nicht mal einzige Frau im Club, die Lippenstift trug, reichen sich im  Jahr 2010 die sorgfältig zurechtgemachten Schönen die Klinke in die Hand. Und sogar vor den sonst gerade in Berlin so stilberatungsresistenten Herren macht diese Entwicklung nicht halt: Sie sehen aus wie moderne Großstadtdandys, mögen Anzüge und Fliegen, tragen Hüte, Reiterstiefel und Gamaschen und sehen damit so hinreißend aus, dass man sich immer wieder selbst gratuliert, nicht schon längst aus ungeduldiger Verzweiflung das Handtuch geschmissen und in eine der garantiert geschmackssicheren, aber eben doch auch langweiligeren Großstädte gezogen zu sein.</p>
<p>Die aktuellen Kollektionen in Berlin lebender Nachwuchsdesigner spiegeln den neuen Trend zum kleidsamen Kleidungsstück wieder. Endlich! Denn es ist höchste Zeit, dem internationalen Publikum etwas anderes anzubieten, als die immergleiche, brav reduzierte New-Media-Großraum-Büro-Wear, oder die ewigen, mit grobem Stich zusammengebastelten Beinkleider aus Hanf oder bedrucktem Cotton.<img title="More..." alt="" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" />War Berlin bislang nicht eben für die Präsentation von High Fashion und Couture bekannt, scheint sich das, auch dank junger Designer wie <a href="http://sounds-like-me.com/blogs/ofahion_blog/2010/01/21/ich-schaue-nach-vorne-ohne-das-gute-in-der-vergangenheit-zu-vergessen/">Sam Frenzel</a>, <a href="http://www.dawid-tomaszewski.com/">Dawid Tomaszewski</a>, <a href="http://www.saena.eu/">Saena</a> und <a href="http://www.fridaweyer.com">Frida Weyer</a>, allmählich zu ändern.</p>
<p>Gut, bleiben wir mal auf dem Teppich, respektive dem absatzmordenden Pflaster über märkischem Sand: Berlin wird im internationalen Fashion-Zirkus bestimmt kein zweites Paris, London oder Mailand werden. Aber wäre nicht genau das auch fatal? Kaum eine andere Stadt hat derzeit so viel Potential, eine eigenständige Mode-Handschrift zu entwickeln, wie die dekadent-spröde Schöne im Osten unserer Republik. Berlin muss nur noch ein bisschen erwachsener werden. Und genau das könnte gerade passieren. Danke Sam, danke Dawid, danke Frida, danke Saena. Und danke <a href="http://www.mercedes-benzfashionweek.com/shows/hausach-couture.html">Sascha</a>, auch wenn Du gar nicht in Berlin bist, sondern in Hamburg. Aber das muss ja nicht für immer sein&#8230;</p>
<p>DAWID TOMASZEWSKI</p>
<p><img alt="_ZM_8718b" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2010/01/ZM_8718b.jpg" width="800" height="533" /></p>
<p><img alt="_ZM_8810c" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2010/01/ZM_8810c.jpg" width="800" height="542" /></p>
<p>SAENA</p>
<p><img alt="Picture 2" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2010/01/Picture-2.png" width="1021" height="682" /></p>
<p style="text-align: center;">//© Saena &#8220;This was the saena&#8217;s first collection, we produced all in Germany and we use only silk, &#8230;//</p>
<p><img alt="Picture 1" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2010/01/Picture-1.png" width="1023" height="688" /></p>
<p style="text-align: center;">//&#8230; cotton and silk-cotton mixed fabric for the collection.&#8221;//</p>
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		<title>Du bist nicht gut!</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Sep 2013 21:50:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Rauh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Erfolg]]></category>
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		<description><![CDATA[(Macht nichts.) Im Atelier des Wiener Künstlers, bei dem ich im Sommer ein paar Tage wohnte, klebte an der Wand ein kleines, weißes Blatt Druckerpapier, auf der die etwas ungelenk aussehende Zeichnung eines Händepaars zu sehen war, das sich in flehentlicher Geste aneinanderschmiegte. „F., es macht nichts, wenn Du nicht gut bist“ stand darüber, sorgfältig aber leicht verwackelt, mit dünnem Buntstiftstrich. Vom ersten Augenblick zog diese Zeichnung mich magisch an. „Quatsch,“ dachte ich und ärgerte mich über den Satz. &#160; //Foto: Michael Hoelzl©2009VG-Bildkunst-Bonn// &#160; Dann wurde aus dem „Quatsch“ ein „Mmh,“ und schließlich &#8211; längst wieder zurück in Berlin &#8211; kam mir ein „Ja, genau so ist es!“ in den Sinn, wann immer ich an diese Zeichnung dachte. Ich musste oft an diese Zeichnung denken, und sie beschäftigt mich noch immer. &#160; //Foto: Michael Hoelzl©2009VG-Bildkunst-Bonn// &#160; Was ist das eigentlich, „Gut Sein?“Bezeichnet es eine charakterliche Eigenschaft, das „Lieb Sein,“ im Sinne von Gehorsam? Ist es die eigene Performance in Bezug auf den Beruf den man gerade ausübt oder ausüben möchte, ist es die Ausbildung? Eine Leistung, für die man gelobt wird? Oder die generelle Funktionstüchtigkeit im Alltag? Und überhaupt, was heißt das denn alles? Was bedeutet „Funktionieren?“ Wer sagt, wie die genaue [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>(Macht nichts.)</p>
<p>Im Atelier des Wiener Künstlers, bei dem ich im Sommer ein paar Tage wohnte, klebte an der Wand ein kleines, weißes Blatt Druckerpapier, auf der die etwas ungelenk aussehende Zeichnung eines Händepaars zu sehen war, das sich in flehentlicher Geste aneinanderschmiegte. „F., es macht nichts, wenn Du nicht gut bist“ stand darüber, sorgfältig aber leicht verwackelt, mit dünnem Buntstiftstrich. Vom ersten Augenblick zog diese Zeichnung mich magisch an. „Quatsch,“ dachte ich und ärgerte mich über den Satz.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: center;"><img alt="hoelzl28" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/11/hoelzl28.jpg" width="700" height="440" /></p>
<p style="text-align: center;">//Foto: <a href="http://www.michaelhoelzl.com/" target="_blank">Michael Hoelzl©2009VG-Bildkunst-Bonn</a>//</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dann wurde aus dem „Quatsch“ ein „Mmh,“ und schließlich &#8211; längst wieder zurück in Berlin &#8211; kam mir ein „Ja, genau so ist es!“ in den Sinn, wann immer ich an diese Zeichnung dachte. Ich musste oft an diese Zeichnung denken, und sie beschäftigt mich noch immer.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: center;"><img alt="hoelzl32" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/11/hoelzl32.jpg" width="700" height="440" /></p>
<p style="text-align: center;">//Foto: <a href="http://www.michaelhoelzl.com/" target="_blank">Michael Hoelzl©2009VG-Bildkunst-Bonn</a>//</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Was ist das eigentlich, „Gut Sein?“<img title="More..." alt="" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" />Bezeichnet es eine charakterliche Eigenschaft, das „Lieb Sein,“ im Sinne von Gehorsam? Ist es die eigene Performance in Bezug auf den Beruf den man gerade ausübt oder ausüben möchte, ist es die Ausbildung? Eine Leistung, für die man gelobt wird? Oder die generelle Funktionstüchtigkeit im Alltag? Und überhaupt, was heißt das denn alles? Was bedeutet „Funktionieren?“ Wer sagt, wie die genaue Definition ist und muss diese nicht zwangsläufig immer wieder individuell definiert werden, weil wir eben nicht alle genau gleich getaktete Maschinen sind?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: center;"><img alt="hoelzl33" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/11/hoelzl33.jpg" width="700" height="440" /></p>
<p style="text-align: center;">//Foto: <a href="http://www.michaelhoelzl.com/" target="_blank">Michael Hoelzl©2009VG-Bildkunst-Bonn</a>//</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wer Erfolg hat, ist auch selbstbewusst und hat es generell ein bisschen leichter. Der Erfolgreiche, Gute hat sich den Platz in unserer Gesellschaft redlich verdient. Er erwirtschaftet Überschuss, von dem die Gemeinschaft freundlicherweise nutznießen darf. Wie schön, wenn auch im Privatleben, also zu Hause, alles nach Gardemaß und im Lot ist. Heterosexuelle Beziehung, bitte monogam, zwei Kinder, Küche, Bad. Der Gehaltscheck trifft pünktlich auf dem Konto ein, die Beförderung ist schon in Sicht und das SUV steht vor der Tür. Die „innere Zeitschaltuhr“ meldet: Plansoll im Zeitrahmen erfüllt. Glückwunsch! Oder?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: center;"><img alt="hoelzl31" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/11/hoelzl31.jpg" width="700" height="440" /></p>
<p style="text-align: center;">//Foto: <a href="http://www.michaelhoelzl.com/" target="_blank">Michael Hoelzl©2009VG-Bildkunst-Bonn</a>//</p>
<p>Was für den einen das Paradies ist, ist für den anderen vielleicht die Hölle. „Gut“ fühlt sich für jeden anders an, immer wieder anders. Was gestern „gut“ war ist morgen vielleicht „flau“ und übermorgen „blöd.“ Ist es nicht besser, offen zu sein, für das was kommt und sich (hoffentlich) nicht festzufahren in selbst angelegten Normfesseln? Wer braucht schon Dogmen? Was mich betrifft, möchte ich etwaige Tabus und No-Gos immer wieder aufs Neue ausloten. Und ich will scheitern!</p>
<p>Und schon bin ich vom „Gut Sein“ beim „Versagen.“ Ein schmaler Grat, nicht nur verbal.</p>
<p>Im Gegensatz zu immanentem Erfolg birgt das Scheitern ungeheure Chancen. Zwingt es uns doch, uns mit uns selbst und den eingeschlagenen Wegen auseinanderzusetzen, bevor sie eingefahren sind. Das Versagen zeigt uns, wo unsere Schwächen sind und es beleuchtet mögliche Wege mit ihnen umzugehen, oder bringt uns dazu, neue Stärken an uns zu entdecken. Vielleicht ist es für den einen passend, sein Studium in Rekordzeit zu vollenden, der andere mag mit ausgedehnten Reisen im gleichen Lebensabschnitt besser liegen. Wer legt denn die Reihenfolge fest, was wann zu passieren hat?</p>
<p>[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=3TWBSMc47bw[/youtube]</p>
<p>//&#8221;A clip from the beautiful documentary on Andy Goldsworthy, &#8220;Rivers and Tides&#8221;. If you enjoy this clip, please support his work by purchasing the dvd. In this clip he works on hanging a meticulous sculpture from a tree, and ultimately fails.&#8221;//</p>
<p>Genormte Lebensläufe fand ich schon immer langweilig. Eine Norm spiegelt vielleicht das, was viele tun. Sie bedeutet aber noch lange nicht, dass unser aller Glück darin liegt, genau diese zu erfüllen. Ich finde, dass Normvorstellungen vom erfolgreich gelebten, guten Leben, unsere „inneren Zeitschaltuhren,“ abgeschaltet gehören. Und dass wir uns vor dem Scheitern nicht zu fürchten brauchen. Es macht nichts, wenn wir nicht gut sind.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>„There’s a there, there“</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Sep 2013 21:50:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Rauh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Economics]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Whole Earth Review]]></category>

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		<description><![CDATA[Das erste Mal von The WELL hörte ich Anfang der 1990er Jahre. In einem deprimierenden Kölner Vorort lag ich auf hässlicher Auslegeware und sah auf einem kleinen grauen Fernseher eine Reportage, während mein Freund und selbsternannter Mentor darauf bestand, dass ich mir alles bis zum Ende ansah und zur Motivationssteigerung versuchte, mich mit in Lake schwimmenden Tiefseekrabben zu füttern. Ganz davon abgesehen, dass es kaum ein Nahrungsmittel gibt, das mich weniger anspricht, hätte es der versuchten Bestechung nicht bedurft. Ich starrte so gebannt auf den Bildschirm, dass ich beinahe mit dem Fernseher verwachsen wäre. Ich wusste, dass das hier etwas war, was eine Bedeutung hatte. Dass da etwas passierte, was eine Wirkung haben würde. Dass es sich verbreiten würde, wie ein Flächenbrand. &#160; // Foto: Michael Hoelzl©2009VG-Bildkunst-Bonn//&#8221;Der Begriff Schwarmverhalten bezeichnet das Verhalten von Fischen, Vögeln, Insekten und anderen Tieren, &#8230;&#8221;// &#160; 1985 stellten ein paar Freaks einen Server in Sausalito, Nordkalifornien, auf und gründeten die erste Internetcommunity. Stewart Brand und Larry Brilliant sind die Namen der Gründer, die mit ihrem „The Whole Earth &#8216;Lectronic Link“ (The WELL) zunächst Schreiber und Leser des Whole Earth Review und zunehmend auch andere Kreative und Interessierte verschiedenster Bereiche miteinander vernetzten. So legten sie den Grundstein für DAS Kommunikationsmedium schlechthin, das Internet, wie wir es [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Das erste Mal von <a href="http://www.well.com" target="_blank">The WELL</a> hörte ich Anfang der 1990er Jahre. In einem deprimierenden Kölner Vorort lag ich auf hässlicher Auslegeware und sah auf einem kleinen grauen Fernseher eine Reportage, während mein Freund und selbsternannter Mentor darauf bestand, dass ich mir alles bis zum Ende ansah und zur Motivationssteigerung versuchte, mich mit in Lake schwimmenden Tiefseekrabben zu füttern.</p>
<p>Ganz davon abgesehen, dass es kaum ein Nahrungsmittel gibt, das mich weniger anspricht, hätte es der versuchten Bestechung nicht bedurft. Ich starrte so gebannt auf den Bildschirm, dass ich beinahe mit dem Fernseher verwachsen wäre. Ich wusste, dass das hier etwas war, was eine Bedeutung hatte. Dass da etwas passierte, was eine Wirkung haben würde. Dass es sich verbreiten würde, wie ein Flächenbrand.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img class="aligncenter" alt="schwarm_hoelzl19" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/10/schwarm_hoelzl19.jpg" width="700" height="440" /></p>
<p style="text-align: center;">// Foto: <a href="http://www.michaelhoelzl.com/" target="_blank">Michael Hoelzl©2009VG-Bildkunst-Bonn</a>//&#8221;Der Begriff Schwarmverhalten bezeichnet das Verhalten von Fischen, Vögeln, Insekten und anderen Tieren, &#8230;&#8221;//</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>1985 stellten ein paar Freaks einen Server in Sausalito, Nordkalifornien, auf und gründeten die erste Internetcommunity. <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Steward_Brand" target="_blank">Stewart Brand</a> und <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Larry_Brilliant" target="_blank">Larry Brilliant</a> sind die Namen der Gründer, die mit ihrem „The Whole Earth &#8216;Lectronic Link“ (The WELL) zunächst Schreiber und Leser des <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Whole_Earth_Review" target="_blank">Whole Earth Review</a> und zunehmend auch andere Kreative und Interessierte verschiedenster Bereiche miteinander vernetzten. <img title="More..." alt="" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" />So legten sie den Grundstein für DAS Kommunikationsmedium schlechthin, das Internet, wie wir es heute kennen und nutzen – auch für Social Media.</p>
<p>In The Well geschah geradezu Unerhörtes. Gespräche, Gedankenaustausch, ganze Leben fanden im virtuellen Raum statt. Der physische Ort wurde zum Beiwerk, zum „second“ im Life der Mitglieder der Community. Das stationäre &#8220;wo&#8221; des Cyberspace spielte keine Rolle. „There’s a there, there,“ heißt es etwas lapidar auf der Website von The WELL. Es ist da, also ist es.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img class="aligncenter" alt="schwarm_hoelzl18" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/10/schwarm_hoelzl18.jpg" width="700" height="440" /></p>
<p style="text-align: center;">// Foto: <a href="http://www.michaelhoelzl.com/" target="_blank">Michael Hoelzl©2009VG-Bildkunst-Bonn</a>//&#8221;sich zu Aggregationen von Individuen – meist gleicher Art und Größe – zusammenzuschließen“ (Quelle: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schwarmverhalten" target="_blank">Wikipedia</a>)//</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Auch der heute sehr bekannte Social Media- und Community Experte <a href="http://www.rheingold.com/" target="_blank">Howard Rheingold</a> hat seine Wurzeln im Umfeld von The WELL. Als Redakteur des Whole Earth Review wurde er zu einer einflussreichen Schlüsselfigur der Szene; die <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Howard_Rheingold" target="_blank">Schöpfung des Begriffs „Virtual Community“ schreibt man ihm zu</a>. Auf seinem <a href="http://vlog.rheingold.com/" target="_blank">Vlog</a> lässt er die Welt an seinen Gedanken, Ideen und Theorien teilhaben – jedem, der beruflich oder privat viel mit den Themen Social Media und Community zu tun hat, sei das hiermit wärmstens empfohlen!</p>
<p>Persönlich verbinde ich meine Online-Aktivitäten gerne auch mit Fakten zum Anfassen. Dass etwas virtuell schön ist, finde ich zwar toll, aber nicht befriedigend. Ich würde mir zu gerne mal <a href="http://www.colletta-it.com/" target="_blank">La Colletta</a> ansehen, das restaurierte Internetcommunity-Bergdorf im ligurischen Hinterland, das neben High-Speed Internet, WLAN und bestem Mobilfunk-Empfang auch über eine atemberaubende Aussicht, Pools und schöne Häuser verfügt und wo man sich mit seiner Peergroup sowohl per Chat austauschen, als auch auf ein gemeinsames Abendessen treffen kann&#8230; Media, wenn Du wirklich social bist, schickst Du mich ganz bald für einen kleinen Rechercheauftrag dort hin. Hm?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dieser Beitrag wurde auch auf <a href="http://www.sounds-like-me.com/">Sounds-Like-Me</a> veröffentlicht.</p>
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		<title>L’État – C’est Quoi?</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Sep 2013 21:35:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Rauh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Christiania]]></category>
		<category><![CDATA[Floating Utopias]]></category>
		<category><![CDATA[Principality of Sealand]]></category>
		<category><![CDATA[Transnationale Republik]]></category>
		<category><![CDATA[Virtuelle Nationen]]></category>

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		<description><![CDATA[Was wäre, wenn man einfach seinen eigenen Staat gründen und sich weniger abhängig vom bundesdeutschen (respektive europäischen, respektive globalen) Mumpitz machen würde? Ganz so einfach ist das natürlich nicht. Aber möglich. &#160;  //Land in Sicht// &#160; Per Definition ist ein Staat eine „Gesamtheit der Einrichtungen, die dazu dienen, das Zusammenleben der auf einem abgegrenzten Territorium lebenden Menschen mithilfe von Gesetzgebung, Rechtsprechung und vollziehender Gewalt dauerhaft sicherzustellen.“ (Wikipedia). Etwas einfacher ausgedrückt: Damit etwas zum Staat wird braucht es ein Volk, eine Gesetzgebung, Gewaltenteilung und natürlich: ein Gebiet. Womit wir beim eigentlichen Problem der Sache wären. Für eine Nation, auch wenn sie noch so mikro ist, braucht man Land. Am besten eins, das niemandem gehört. &#160; //Unter Wasser kann man natürlich auch mal nachsehen. Ansonsten&#8230;// Wäre mir ein Niemandsland in meiner Umgebung bekannt, wäre ich meinem Traum vom eigenen Staat schon mal bedeutend näher. Zur Zeit des zweiten Weltkriegs gab es in der Nordsee Radar-Plattformen, die Großbritannien zur Bekämpfung der Deutschen Luftwaffe dienten. Die meisten dieser künstlichen Inseln wurden nach Abzug der britischen Armee gesprengt – bis auf &#8220;Roughs Tower&#8221;. Diese Plattform lag außerhalb der damals gültigen Dreimeilenzone und somit in internationalen Gewässern. Als gegen Ende der 60er Jahre die britische Kriegsflagge eingezogen wurde [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Was wäre, wenn man einfach seinen eigenen Staat gründen und sich weniger abhängig vom bundesdeutschen (respektive europäischen, respektive globalen) Mumpitz machen würde? Ganz so einfach ist das natürlich nicht. Aber möglich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img class="aligncenter" alt="Blick_ps" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/09/Blick_ps.jpg" width="700" height="450" /></p>
<p style="text-align: center;"> //Land in Sicht//</p>
<p><img title="More..." alt="" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Per Definition ist ein Staat eine „Gesamtheit der Einrichtungen, die dazu dienen, das Zusammenleben der auf einem abgegrenzten Territorium lebenden Menschen mithilfe von Gesetzgebung, Rechtsprechung und vollziehender Gewalt dauerhaft sicherzustellen.“ (<a href="http://de.wiktionary.org/wiki/Staat" target="_blank">Wikipedia</a>). Etwas einfacher ausgedrückt: Damit etwas zum Staat wird braucht es ein Volk, eine Gesetzgebung, Gewaltenteilung und natürlich: ein Gebiet. Womit wir beim eigentlichen Problem der Sache wären. Für eine Nation, auch wenn sie noch so <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mikronation" target="_blank">mikro</a> ist, braucht man Land. Am besten eins, das niemandem gehört.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img class="aligncenter" alt="Taucher_ps" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/09/Taucher_ps.jpg" width="700" height="450" /></p>
<p style="text-align: center;">//Unter Wasser kann man natürlich auch mal nachsehen. Ansonsten&#8230;//</p>
<p style="text-align: center;">
<p>Wäre mir ein Niemandsland in meiner Umgebung bekannt, wäre ich meinem Traum vom eigenen Staat schon mal bedeutend näher. Zur Zeit des zweiten Weltkriegs gab es in der Nordsee Radar-Plattformen, die Großbritannien zur Bekämpfung der Deutschen Luftwaffe dienten. Die meisten dieser künstlichen Inseln wurden nach Abzug der britischen Armee gesprengt – bis auf &#8220;Roughs Tower&#8221;. Diese Plattform lag außerhalb der damals gültigen Dreimeilenzone und somit in internationalen Gewässern. Als gegen Ende der 60er Jahre die britische Kriegsflagge eingezogen wurde und Großbritanniens Admiralität die Mikro-Insel verließ, entstand ein okkupationsfreies Territorium, das nur wenig später von einem Herren namens Roy Bates in Besitz genommen und zur <a href="http://principality-of-sealand.eu/" target="_blank">Principality of Sealand</a>, einem durch und durch selbständigen Staat, ausgerufen wurde. Ein seltener, durch geschichtliche Wirrungen ermöglichter Fall, der sich nicht häufig wiederholen dürfte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img class="aligncenter" alt="Invasion_ps" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/09/Invasion_ps.jpg" width="700" height="450" /></p>
<p style="text-align: center;">//einfach mal besetzen&#8230;//</p>
<p style="text-align: center;">
<p>Auch die Freistadt <a href="http://www.christiania.org/modules.php?name=NukeWrap&amp;page=/inc/guide//" target="_blank">Christiania</a> ist ein Versuch der Bildung eines unabhängigen Mikrostaates. Gegründet 1971 auf einem ehemaligen Militärgelände verwaltet sich das 34 ha große Areal im Stadtgebiet von Kopenhagen selbst. Sämtliche Versuche der Dänischen Regierung, die Besetzer Christianias vom Gelände zu entfernen, wurden bislang durch eine große Anzahl aufgebrachter Freigeister abgeschmettert und so hat man sich im Jahr 1972 darauf geeinigt, Christiania wenn schon nicht anzuerkennen, dann immerhin als autonome Kommune zu dulden, solange dessen Bürger Strom- und Wassergeld an Kopenhagen zahlen – und so lange nicht anderweitig über die Nutzung des Geländes entschieden wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img class="aligncenter" alt="Bauen_ps" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/09/Bauen_ps.jpg" width="700" height="450" /></p>
<p style="text-align: center;">//&#8230;und dann schnell bauen&#8230;//</p>
<p style="text-align: center;">
<p>Etwas einfacher haben es da <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Virtuelle_Nation" target="_blank">Virtuelle Nationen</a>. Diese haben alles, was ein ordentlicher Staat braucht, allein das Staatsgebiet befindet sich im World Wide Web. Aber wer wollte im Zeitalter von Second Life und Facebook noch behaupten, das mache sie weniger wahrhaftig? Die <a href="http://www.transnationalrepublic.org/" target="_blank">Transnationale Republik</a> zum Beispiel ist ein solcher Staat. Ausgerufen im Jahr 2001 (im Atomic Café in München) zählt sie mittlerweile stolze 4790 Bürger. Alle Staatsangehörigen besitzen einen schönen, professionell erstellten Personalausweis, der am Flughafen, auch nach dem 11. September, auch schon mal den anderen ersetzt hat&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img class="aligncenter" alt="Arkadien_ps" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/09/Arkadien_ps.jpg" width="700" height="450" /></p>
<p style="text-align: center;">//&#8230; dann wird’s was, mit Arkadien.//</p>
<p style="text-align: center;">
<p>Mehr zum Thema, zum Beispiel Links zu verschiedenen Mikrostaaten und eine Studie über <a href="http://blog.rebell.tv/files/floating-utopias.pdf" target="_blank">Artificial Islands und Floating Utopias</a>, ist auf dem Blog von <a href="http://blog.rebell.tv/p5991.html" target="_blank">rebell.tv</a> zu finden. Und wer mal nach Sealand möchte: Ab Southend on Sea besteht eine Hubschrauberverbindung; Landessprachen sind Deutsch und Englisch.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dieser Beitrag wurde auch auf <a href="http://www.sounds-like-me.com">Sounds-Like-Me </a>veröffentlicht.</p>
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		<title>Tell Me Your Secrets</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Sep 2013 21:25:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Rauh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Geheimnisse]]></category>

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		<description><![CDATA[Es geschah im ersten Drittel des vergangenen Jahrhunderts, eine Geschichte, wie sie sich wieder und immer wieder und auch heute noch abspielt. Ein Mann und eine Frau verlieben sich ineinander. Sie heiraten. Eines Tages sagt die Frau zu ihrem Mann, sie bitte ihn inständig, ihr um ihrer beider Liebe Willen etwaige Fehltritte für immer zu verschweigen. Sie sei so nachtragend, dass sie nichts verzeihen könne, da wolle sie lieber bestimmte Dinge gar nicht erst wissen. Wie sehr er seine Frau geliebt hat, ist mir nicht bekannt. Wohl aber, dass er sich an ihre Bitte hielt. Als er mit ihrer besten Freundin eine Affäre begann und diese schwängerte, ließ er über Nacht die Freundin verschwinden. Die Frau war untröstlich über das Verschwinden der Freundin, das sich zu ihren Lebzeiten niemals aufklärte. Mit ihrem Mann aber blieb sie zusammen, bis zu ihrem Tod. &#160; //Foto: Michael Hoelzl©2009VG-Bildkunst-Bonn// &#160; Die meisten Menschen haben ein Geheimnis. Wohl verschlossen in ihrer Erinnerung bewahren sie eine Geschichte oder eine Begebenheit auf, deren Verlauf sie mit kaum jemandem, vielleicht sogar mit niemandem teilen.Hinter mancher teilnahmsloser Miene kann man an manchen Stellen eine Untiefe vermuten, viel mehr bleibt nicht. Denn es kommt allzu selten vor, dass man ins geheime [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Es geschah im ersten Drittel des vergangenen Jahrhunderts, eine Geschichte, wie sie sich wieder und immer wieder und auch heute noch abspielt. Ein Mann und eine Frau verlieben sich ineinander. Sie heiraten. Eines Tages sagt die Frau zu ihrem Mann, sie bitte ihn inständig, ihr um ihrer beider Liebe Willen etwaige Fehltritte für immer zu verschweigen. Sie sei so nachtragend, dass sie nichts verzeihen könne, da wolle sie lieber bestimmte Dinge gar nicht erst wissen. Wie sehr er seine Frau geliebt hat, ist mir nicht bekannt. Wohl aber, dass er sich an ihre Bitte hielt. Als er mit ihrer besten Freundin eine Affäre begann und diese schwängerte, ließ er über Nacht die Freundin verschwinden. Die Frau war untröstlich über das Verschwinden der Freundin, das sich zu ihren Lebzeiten niemals aufklärte. Mit ihrem Mann aber blieb sie zusammen, bis zu ihrem Tod.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img alt="hoover" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/12/hoover.png" width="1020" height="727" /></p>
<p style="text-align: center;">//Foto: <a href="http://www.michaelhoelzl.com/" target="_blank">Michael Hoelzl©2009VG-Bildkunst-Bonn</a>//</p>
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<p>Die meisten Menschen haben ein Geheimnis. Wohl verschlossen in ihrer Erinnerung bewahren sie eine Geschichte oder eine Begebenheit auf, deren Verlauf sie mit kaum jemandem, vielleicht sogar mit niemandem teilen.<img title="More..." alt="" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" />Hinter mancher teilnahmsloser Miene kann man an manchen Stellen eine Untiefe vermuten, viel mehr bleibt nicht. Denn es kommt allzu selten vor, dass man ins geheime Zimmer gelassen und zum Mitwisser berufen wird. Und manches Mal ist das vielleicht auch das Beste.</p>
<p>Ein Mann hatte spät geheiratet und die Töchter seiner Frau als seine adoptiert. Als seine Frau in hohem Alter verstorben war, rief er eines Tages die Familie zu sich und stellte eine, ihnen bis zu diesem Zeitpunkt unbekannte Frau als seine, von ihm selbst vorher nie gesehene leibliche Tochter vor. Die Verwandtschaft war entsetzt, bedeutete doch dieser plötzliche Familienzuwachs, dass man das stattliche Erbe mit einem weiteren Anwärter würde teilen müssen. Vielleicht hat das Wissen um einen späteren Rechtsstreit der Adoptivkinder mit dem Leiblichen den Mann dazu bewogen, vielleicht war es wirklich so, wie er dann behauptete – jedenfalls rief er eines Tages wieder die Familie und teilte der versammelten Verwandtschaft mit, dass die Frau, die er noch vor kurzem als seine Tochter präsentiert hatte, doch nicht die Vermeintliche sei und dass er sie darum heiraten würde. Genau das hat er dann auch getan und die vor Wut schäumenden Adoptivtöchter, Nichten und Neffen mussten tatenlos zusehen, wie sich das Familienerbe mal eben komplett neu verteilte.</p>
<p><img alt="ChinChin" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/12/ChinChin-1024x694.jpg" width="1024" height="694" /></p>
<p>Mit allem was wir tun, hinterlassen wir Spuren. Mal mehr mal weniger sichtbar, mal mit größerem oder auch kleinerem Einfluss auf das Geschehen um uns herum. Vielleicht ist es ein Stein, den wir bei einer Wanderung lostreten und der einen Steinschlag auslöst, vielleicht ist es eine andere Dummheit, die wir mit oder ohne Absicht irgendwann begangen und für die wir uns umgehend geschämt haben.</p>
<p>Sie hatte die frühere Wohnung eines Bekannten bezogen. Manchmal kam noch Post für ihn und sie sammelte diese, um sie an seine neue Adresse weiterzuleiten. Eines Tages kam ein Brief, den sie für Werbung hielt, sich dessen aber nicht sicher war; jedenfalls leitete sie diesen Brief nicht sofort weiter sondern legte ihn zunächst auf einen Stapel Zeitungen, wo er in Vergessenheit geriet. Wochen später fiel ihr der Brief wieder in die Hände. Sie hatte ein schlechtes Gewissen, weil sie ihn noch immer hatte, aber anstatt ihn einfach sofort an den Empfänger weiterzugeben, öffnete sie den Brief, der nicht an sie gerichtet war. Sie fand die – positive &#8211; Antwort auf eine Bewerbung; ihr Bekannter wurde gebeten, umgehend ein paar weitere Unterlagen zu schicken, da man sehr an ihm interessiert sei. Was sollte sie tun? Seit den Ankunft des Schreibens war viel Zeit vergangen, Und wie könnte sie ihrem Bekanten einen geöffneten Brief in die Hand drücken? Sollte sie sagen, sie hätte nicht auf den Umschlag gesehen und ihn aus Versehen aufgemacht? Nach Wochen? Sie nahm den Brief samt dem Umschlag mit ins Büro und schob ihn durch den Schredder. Der Bekannte hat inzwischen einen Job. Sie findet, einen viel attraktiveren. Aber genau wissen werden sie das beide nicht. Niemals.</p>
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		<title>Untouched</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Sep 2013 21:18:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Rauh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Extreme]]></category>
		<category><![CDATA[Fetisch]]></category>
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		<description><![CDATA[Ich stehe bei geschätzten 38°C in einem schwarz ausgeschlagenen Raum im Podewil und sehe einer französisch-argentinischen Performance Gruppe dabei zu, wie sie große, schwarze Latexsäcke mit einer milchigen Flüssigkeit bestreicht. Gleich werden sie in die Säcke steigen, gleich werden die Säcke mit einer Art Staubsauger zu riesigen Kissen aufgepumpt. Als das Publikum sitzt, wird die Luft wieder abgesaugt. Und zwar komplett. Da liegen sie, unter den Scheinwerfern, eingeschweißt in ihren schwarzen Säcken, die von innen nicht zu öffnen sind. Atmen ist nur durch eine Art Strohhalm möglich. Als sie später tanzen, habe ich an einer Stelle das Gefühl, eine der Tänzerinnen steht kurz vor dem Kollaps. Sie hyperventiliert. Teil der Show, wie sich später herausstellt. Das Thema der Performance: Die Grenzen zwischen Tod und Leben ausloten. Das Lebendige im Extremen fühlen. Das kommt mir irgendwie bekannt vor&#8230; &#160; Ich kenne viele, die Ihre eigenen Gefühle nur im Extrem spüren können. Der Mann, der nachts mit überhöhter Geschwindigkeit  über rote Ampeln auf Kreuzungen fährt und dabei kurz die Augen schließt. Das Paar, das mindestens einmal wöchentlich ein Drama inszeniert bei dem alle Register gezogen werden, inklusive Anschreien, Weglaufen, Festhalten, Schlagen, oft vor Publikum. Die Frau, die auf dem Klo im Club ungeschützten Sex mit einem [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ich stehe bei geschätzten 38°C in einem schwarz ausgeschlagenen Raum im <a href="http://www.artslant.com/ber/venues/show/5130-podewil-center-for-contemporary-arts" target="_blank">Podewil</a> und sehe einer <a href="http://www.tanzimaugust.de/2009/seiten/blau/kuenstler.html#_6" target="_blank">französisch-argentinischen Performance Gruppe</a> dabei zu, wie sie große, schwarze Latexsäcke mit einer milchigen Flüssigkeit bestreicht. Gleich werden sie in die Säcke steigen, gleich werden die Säcke mit einer Art Staubsauger zu riesigen Kissen aufgepumpt. Als das Publikum sitzt, wird die Luft wieder abgesaugt. Und zwar komplett. Da liegen sie, unter den Scheinwerfern, eingeschweißt in ihren schwarzen Säcken, die von innen nicht zu öffnen sind. Atmen ist nur durch eine Art Strohhalm möglich. Als sie später tanzen, habe ich an einer Stelle das Gefühl, eine der Tänzerinnen steht kurz vor dem Kollaps. Sie hyperventiliert. Teil der Show, wie sich später herausstellt. Das Thema der Performance: Die Grenzen zwischen Tod und Leben ausloten. Das Lebendige im Extremen fühlen. Das kommt mir irgendwie bekannt vor&#8230;</p>
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<p><img alt="Sylphides_AlainMonot2" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/08/Sylphides_AlainMonot2.jpg" width="700" height="450" /></p>
<p><img title="More..." alt="" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" /></p>
<p>Ich kenne viele, die Ihre eigenen Gefühle nur im Extrem spüren können. Der Mann, der nachts mit überhöhter Geschwindigkeit  über rote Ampeln auf Kreuzungen fährt und dabei kurz die Augen schließt. Das Paar, das mindestens einmal wöchentlich ein Drama inszeniert bei dem alle Register gezogen werden, inklusive Anschreien, Weglaufen, Festhalten, Schlagen, oft vor Publikum. Die Frau, die auf dem Klo im Club ungeschützten Sex mit einem Fremden hat und sich dann wochenlang vor dem Aids-Test fürchtet&#8230; attraktive, intelligente, erfolgreiche Menschen. Im Alltag haben sie alles unter Kontrolle. Sich, ihre Jobs, ihre Beziehungen. Was auffällt: Emotional sind sie geradezu unberührt, Beziehungen wirken oft halbherzig. Die Kontrolle zu haben heißt manchmal auch, sie gar nicht erst abgeben zu können. Kein guter Nährboden für Leidenschaft. Also fehlt dem Alltagsleben meistens das Gefühl, und zwar das große, wahre. Fürchten wir uns davor? Macht uns das Empfinden Angst, oder ist es die Wahrheit?</p>
<p>Um Gefühle wahrzunehmen, wird das Extrem der Ausnahmesituation bemüht. Schlüsselreize wie „Angst“ und „Wut“ lassen für einen Augenblick das Unterbewusstsein ins alltägliche Einerlei. Weil man sich auch an extreme Reize mit der Zeit gewöhnt, muss immer etwas Neues her, es muss mehr sein, andere Grenzen überschreiten. „Zuerst fand ich den Anblick der Latexsäcke ekelhaft und beängstigend,“ sagt einer der Zuschauer im Nachgespräch von <a href="http://www.tanzimaugust.de/2009/seiten/blau/kuenstler.html#_6" target="_blank">Sylphides</a>, „aber dann passierte etwas Seltsames. Je länger ich zusah, desto weniger Abneigung empfand ich. Zum Schluss fühlte ich mich fast angezogen.“ Was passiert bloß mit uns? Und woran liegt das?</p>
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<p>Dieser Beitrag wurde auch auf <a href="http://www.sounds-like-me.com">Sounds-Like-Me </a>veröffentlicht.</p>
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		<title>All that glitters&#8230;</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Sep 2013 08:47:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Rauh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Design]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Palast der Republik]]></category>
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		<description><![CDATA[&#8230;is not gold. Oder: Was geschah mit dem Palast der Republik? Zyniker mögen behaupten, dass es sich um Leichenfledderei im großen Stil handelt. Misanthropen, dass das alles absehbar und sowieso klar war. Und wieder andere, dass man wenigstens aus einem Teil der Ressourcen etwas Brauchbares gemacht hat. Fakt ist jedenfalls, dass der Palast der Republik vor seinem Abriss, oder sollte ich sagen Rückbau, schlappe 120.000.000,-€ wert war, inklusive etwa 20.000 Tonnen Stahl und 4.000 Glasscheiben, die großen von ihnen jeweils 390kg schwer. //Foto: Michael Hoelzl©2010VG-Bildkunst-Bonn// &#160; Der Stahl wurde zum Teil nach Dubai und in die Türkei verkauft, ein anderer Teil wurde eingeschmolzen und zu VW-Motoren, MAN-Motoren und Kettengliedern für Raupenfahrzeuge verarbeitet. Die Scheiben wurden unentgeltlich vergeben, sofern man einen Antrag dafür stellte und eine spätere künstlerische oder gemeinnützige Verwendung nachwies. Von den ursprünglich mehreren tausend wurden schließlich ganze 210 Scheiben einer neuen Nutzung zugeführt. Der Rest zerbrach beim Abbau und landete auf riesengroßen Scherbenhaufen auf dem Schlossplatz oder bekam durch unsachgemäße Lagerung bis zum Abtransport einen Sprung und musste ebenfalls entsorgt werden. Die verbleibenden 210 Scheiben aber wurden von dankbaren Künstlern und Architekten geborgen und in einen neuen, manchmal auch skurrilen Kontext eingebunden. Seit seinem Tagesausflug, den der Rentner Rainer [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230;is not gold. Oder: Was geschah mit dem Palast der Republik?</p>
<p>Zyniker mögen behaupten, dass es sich um Leichenfledderei im großen Stil handelt. Misanthropen, dass das alles absehbar und sowieso klar war. Und wieder andere, dass man wenigstens aus einem Teil der Ressourcen etwas Brauchbares gemacht hat. Fakt ist jedenfalls, dass der Palast der Republik vor seinem Abriss, oder sollte ich sagen <em>Rückbau</em>, schlappe 120.000.000,-€ wert war, inklusive etwa 20.000 Tonnen Stahl und 4.000 Glasscheiben, die großen von ihnen jeweils 390kg schwer.</p>
<p><img alt="cocaine" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2010/01/cocaine.jpg" width="700" height="467" /></p>
<p style="text-align: center;">//<a href="http://www.michaelhoelzl.com/" target="_blank">Foto: Michael Hoelzl©2010VG-Bildkunst-Bonn</a>//</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Stahl wurde zum Teil nach Dubai und in die Türkei verkauft, ein anderer Teil wurde eingeschmolzen und zu VW-Motoren, MAN-Motoren und Kettengliedern für Raupenfahrzeuge verarbeitet. Die Scheiben wurden unentgeltlich vergeben, sofern man einen Antrag dafür stellte und eine spätere künstlerische oder gemeinnützige Verwendung nachwies. Von den ursprünglich mehreren tausend wurden schließlich ganze 210 Scheiben einer neuen Nutzung zugeführt. Der Rest zerbrach beim Abbau und landete auf riesengroßen Scherbenhaufen auf dem Schlossplatz oder bekam durch unsachgemäße Lagerung bis zum Abtransport einen Sprung und musste ebenfalls entsorgt werden.<img title="More..." alt="" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" /></p>
<p>Die verbleibenden 210 Scheiben aber wurden von dankbaren Künstlern und Architekten geborgen und in einen neuen, manchmal auch skurrilen Kontext eingebunden.</p>
<p>Seit seinem Tagesausflug, den der Rentner Rainer Boddin im August 2006 aus dem 121km entfernten Langnow in die Hauptstadt unternahm, ist er in seiner 28 Seelen starken Heimat bekannt wie ein bunter Hund. Als Privatmann hat er eine der seltenen Ausnahmegenehmigungen für den Erwerb von Palastscheiben erhalten und die beiden ergatterten 62-mal-58cm großen Reliquien umgehend in seinem Gartenhaus verbaut. Seitdem führt er immer wieder Kamerateams, Journalisten und neugierige Nachbarn über seinen privaten Grund und erzählt die abenteuerliche Geschichte der Herkunft seines weit gereisten Baumaterials.</p>
<p><img alt="detail2" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2010/01/detail2.jpg" width="660" height="440" /></p>
<p style="text-align: center;">//<a href="http://www.michaelhoelzl.com/" target="_blank">Foto: Michael Hoelzl©2010VG-Bildkunst-Bonn</a>//</p>
<p>Einige der Scheiben wurden in einem <a href="http://www.groh-locations.com/location-0070.php" target="_blank">Kreuzberger Loft</a> verbaut, das über eine Location-Agentur als Setting für Werbe-, Film- und Fernsehproduktionen angeboten wird. Zwei Berliner Architekten haben in der Wolliner Strasse in Berlin Mitte ein Recyclinghaus aus Plattenbauteilen und Scheiben des Palasts der Republik errichtet. Und in der Nähe von Nizza hat ein Künstler einen Minipalast, mit Originalscheiben und Mobiliar aus dem Volkskammersaal, errichtet. Die wohl, im wahrsten Sinne des Wortes, pragmatischste Nutzung, hat sich ein in Berlin lebender österreichischer Fotograf und Designer ausgedacht, der die von ihm erworbenen Scheiben kurzerhand als <a href="http://www.michaelhoelzl.com/palast/">noble Schreibunterlage</a> für sich selbst und andere Kunst- und Kulturschaffende umfunktioniert hat. Eingebettet in exakt gearbeitete Stahlrahmen, die in der Farbe der Originalträger des Palastes lackiert wurden, bilden die Scheiben nun den golden spiegelnden Boden für hoffentlich bald vergoldete Ideen. Wenn das nichts für urbane Goldgräber ist.</p>
<p style="text-align: center;">Geschätzter Gebäudewert des Palast der Rebublik vor Abriss: 120.000.000,-€</p>
<p style="text-align: center;">Abrisskosten: 90.000.000,-€</p>
<p style="text-align: center;">Asbestbeseitigung: 32.000.000,-€</p>
<p style="text-align: center;">Anzahl der Anträge bei der Senatsbauleitung für die Abholgenehmigung von Palastscheiben: 67</p>
<p style="text-align: center;">Genehmigte Anträge (pro Antrag Freigabe für max. 5 Scheiben): 42</p>
<p style="text-align: center;">Anzahl der vergebenen Scheiben: 210</p>
<p style="text-align: center;">Anzahl der Scheiben vor Demontage: 4.000 (Zeugen sagen jedoch, dass man vor Ort durchaus sehen konnte, dass das Ausbauen der Scheiben sehr kompliziert war&#8230;)</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dieser beitrag wurde auch auf <a title="Sounds-Like-Me" href="http://www.sounds-like-me.com/" target="_blank">Sounds-Like-Me</a> veröffentlicht.</p>
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		<title>Über das Verzeihen</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Sep 2013 08:20:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Rauh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Arthur Schnitzler]]></category>
		<category><![CDATA[Hermann Hesse]]></category>
		<category><![CDATA[Karl Raimund Popper]]></category>
		<category><![CDATA[Mahatma Gandhi]]></category>
		<category><![CDATA[Nachtragend sein]]></category>
		<category><![CDATA[Vergessen]]></category>
		<category><![CDATA[Verzeihen]]></category>

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		<description><![CDATA[„Alles verstehen heißt, alles verzeihen; &#8211; das wäre sehr edel gedacht und gesagt. Nur schade, dass Verzeihen neunundneunzig Mal unter hundert aus Bequemlichkeit und höchstens einmal aus Güte geschieht und dass die Güte unter hundert Fällen neunundneunzig Mal keineswegs in Reichtümern des Herzens sondern vielmehr in Mängeln des Verstandes ihre Ursache zu haben pflegt.“ Arthur Schnitzler Nachtragend zu sein, ist eine unbequeme Eigenschaft. Unbequem für einen selber, weil man sich weder gedanklich noch emotional von Situationen lösen kann, die der Vergangenheit angehören und man im Laufe des Lebens immer mehr Situationsballast mit sich herum trägt. Unbequem auch für alle, die sich damit auseinandersetzen und sich die strittige Geschichte zum wiederholten Male anhören müssen. Zwar funktioniert unser Gedächtnis so, dass es immer mal wieder selten aufgerufene Bereiche aus dem Arbeitsspeicher löscht, wenn das Zellsystem zu voll wird (das sind dann zum Beispiel die Situationen, in denen man jemanden trifft, von dem man weiß, dass man total sauer auf ihn ist, sich aber nicht mehr erinnern kann, weswegen), aber seine Gehirnzellen mit unangenehmen, ärgerlichen, kompromittierenden oder peinlichen Geschichten zu belegen, ist sicher nicht die angenehmste und vermutlich auch nicht die beste aller Optionen. Wie viel erleichternder ist das Vergeben und Vergessen. Lieber [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>„Alles verstehen heißt, alles verzeihen; &#8211; das wäre sehr edel gedacht und gesagt. Nur schade, dass Verzeihen neunundneunzig Mal unter hundert aus Bequemlichkeit und höchstens einmal aus Güte geschieht und dass die Güte unter hundert Fällen neunundneunzig Mal keineswegs in Reichtümern des Herzens sondern vielmehr in Mängeln des Verstandes ihre Ursache zu haben pflegt.“</strong></p>
<p><strong>Arthur Schnitzler</strong></p>
<p><img alt="Picture 13" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/11/Picture-13.png" width="1011" height="668" /></p>
<p>Nachtragend zu sein, ist eine unbequeme Eigenschaft. Unbequem für einen selber, weil man sich weder gedanklich noch emotional von Situationen lösen kann, die der Vergangenheit angehören und man im Laufe des Lebens immer mehr Situationsballast mit sich herum trägt. Unbequem auch für alle, die sich damit auseinandersetzen und sich die strittige Geschichte zum wiederholten Male anhören müssen.<img title="More..." alt="" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" /></p>
<p><img alt="Picture 14" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/11/Picture-14.png" width="1011" height="656" /></p>
<p>Zwar funktioniert unser Gedächtnis so, dass es immer mal wieder selten aufgerufene Bereiche aus dem Arbeitsspeicher löscht, wenn das Zellsystem zu voll wird (das sind dann zum Beispiel die Situationen, in denen man jemanden trifft, von dem man weiß, dass man total sauer auf ihn ist, sich aber nicht mehr erinnern kann, weswegen), aber seine Gehirnzellen mit unangenehmen, ärgerlichen, kompromittierenden oder peinlichen Geschichten zu belegen, ist sicher nicht die angenehmste und vermutlich auch nicht die beste aller Optionen.</p>
<p><img alt="Picture 15" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/11/Picture-15.png" width="1004" height="666" /><br />
Wie viel erleichternder ist das Vergeben und Vergessen. Lieber Verzeihen und Gehirnplatz freigeben. Lieber Kroatisch lernen, kaukasische Kinderlieder auf dem Klavier klimpern können, Kinofilme auswendig nacherzählen, oder was auch immer. Amen.</p>
<p><img alt="Picture 16" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/11/Picture-16.png" width="1012" height="659" /></p>
<p><strong>„Der Schwache kann nicht verzeihen. Verzeihen ist eine Eigenschaft des Starken.“</strong></p>
<p><strong>Mahatma Gandhi</strong></p>
<p>Das mag ja sein. Aber wer kann schon von sich behaupten, immer stark zu sein? Und ist das überhaupt erstrebenswert? Ich kann  jeden verstehen, der etwas nicht verzeihen kann. Es ist nicht immer alles verzeihlich. Die ganz schlimmen großen Dinge sind es nicht und werden es nie werden. Und die ganz kleinen sind es auch nicht immer&#8230; niemand kann für jemand anderen bestimmen, was noch verzeihlich ist und was nicht. Vielleicht gibt es Situationen, die man nur dadurch ertragen kann, dass man sie eben nicht verzeiht. Und eben wieder andere, die erst durch das Verzeihen abgeschlossen und so endgültig der Vergangenheit zugeführt werden können.</p>
<p><img alt="Picture 19" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/11/Picture-19.png" width="1006" height="668" /></p>
<p><strong>„Gewonnen hat immer der, der lieben, dulden und verzeihen kann.“</strong></p>
<p><strong>Hermann Hesse.</strong></p>
<p>Seit wann geht es denn nur ums Siegen? Ist eine Niederlage nicht manchmal leichter zu ertragen? Und wer sagt, dass das Verzeihen immer eine Erleichterung ist? Oder ist es manchmal auch erleichternd, sich selbst zu gestatten, nachtragend zu sein? Was ist also besser? Das Verzeihen können, oder das Nicht-Verzeihen können&#8230; Ich halte mich da gern an Karl Raimund Popper: „Durch unser Wissen unterscheiden wir uns nur wenig, in unserer grenzenlosen Unwissenheit aber sind wir alle gleich.“</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dieser Beitrag wurde auch auf <a href="http://www.sounds-like-me.com">Sounds-Like-Me</a> veröffentlicht.</p>
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