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	<title>twentysixlettersBerlin | twentysixletters</title>
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		<title>Zirkuskinderzeit</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Sep 2013 09:00:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Rauh</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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		<description><![CDATA[Es war kalt. Dicht an dicht saßen wir im Bus. Als wir die Grenze passierten, die es politisch nicht mehr wirklich gab, wohl aber noch physisch in Form von Grenzhäuschen und wortkargen Grenzern mit langen Mänteln und Fellmützen, die unsere Pässe einsammelten und bestimmt eine ganze lange Stunde prüften, bevor wir weiterfahren durften, waren wir still. Wir, die Wagenladung pubertierender, respektloser, naiver Kleinstadtkids, die wir unbedingt dabei sein wollten, in diesen historischen Tagen, und das am Besten mittendrin. Endlich angekommen, stapften wir ziel- und planlos durch die Gegend. Ich weiß noch, dass ich fürchterlich gefroren habe und, schüchtern wie ich war, nicht wagte, Passanten nach dem Weg zu fragen und dass ich schließlich doch an der Mauer ankam, die mit Hämmern und Meißeln langsam abgetragen wurde. Irgendwo liegt es noch, das kleine Stück Beton, vergraben unter alten Briefen und ersten eigenen Dokumenten. Berlin&#8230; Ich war total überfordert, mit dieser großen, wirren Stadt, die sich in einem flirrenden, fiebrigen Ausnahmezustand bewegte und mich seit dieser ersten Begegnung nicht mehr losgelassen hat. Ich wollte unbedingt zurück in dieses Niemandsland, in diesen Raum, der sich mir und allen anderen gerade öffnete, in diese fremde Welt die so seltsam und so vertraut zugleich war. [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Es war kalt. Dicht an dicht saßen wir im Bus. Als wir die Grenze passierten, die es politisch nicht mehr wirklich gab, wohl aber noch physisch in Form von Grenzhäuschen und wortkargen Grenzern mit langen Mänteln und Fellmützen, die unsere Pässe einsammelten und bestimmt eine ganze lange Stunde prüften, bevor wir weiterfahren durften, waren wir still. Wir, die Wagenladung pubertierender, respektloser, naiver Kleinstadtkids, die wir unbedingt dabei sein wollten, in diesen historischen Tagen, und das am Besten mittendrin.<img title="More..." alt="" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" /></p>
<p><em><img alt="mauer_ps" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/09/mauer_ps.jpg" width="700" height="450" /><br />
</em></p>
<p>Endlich angekommen, stapften wir ziel- und planlos durch die Gegend. Ich weiß noch, dass ich fürchterlich gefroren habe und, schüchtern wie ich war, nicht wagte, Passanten nach dem Weg zu fragen und dass ich schließlich doch an der Mauer ankam, die mit Hämmern und Meißeln langsam abgetragen wurde. Irgendwo liegt es noch, das kleine Stück Beton, vergraben unter alten Briefen und ersten eigenen Dokumenten. Berlin&#8230; Ich war total überfordert, mit dieser großen, wirren Stadt, die sich in einem flirrenden, fiebrigen Ausnahmezustand bewegte und mich seit dieser ersten Begegnung nicht mehr losgelassen hat. Ich wollte unbedingt zurück in dieses Niemandsland, in diesen Raum, der sich mir und allen anderen gerade öffnete, in diese fremde Welt die so seltsam und so vertraut zugleich war. Ich wollte in mein Zirkuskinderland. Ich wollte es so sehr, dass ich sogar davon träumte.</p>
<p>Ein paar Jahre sollte es noch dauern, aber ich kam wieder. Ich werde nie vergessen, wie der Hackesche Markt Anfang der 90er Jahre ausgesehen hat. Ich sehe die Einschusslöcher in den Hausfassaden, die Dunkelheit der Strassen im Prenzlauer Berg, rieche die billigen Kohlen im Winter. Ich erinnere mich daran, dass ich mir fast die Wohnung mit der Gamat-Heizung abgefackelt hätte, weil die Vorhänge zu lang waren, dass ich mich in einer Plastikschüssel in der Küche wusch, weil ein richtiges Bad ein Luxus war, den nicht viele hatten. Ich denke an den Platz an der Mauer-/Ecke Kronenstrasse, gleich hinter dem „Friseur“, auf dem die Reste eines eingefallenen Hauses standen über dessen Kellertreppe man in feuchte, nach Schimmel riechende Kammern stieg, um Caipirinha zu trinken und Trommelmusik zu hören. Ich denke an Autorennen am 17. Juni, die Stadt war leer und  ein alter Mercedes immer noch schneller als die Polizeitrabbis aus dem alten Osten. Ich denke an heimliche Bootstouren durch die Kanalisation, an verlassene Wohnungen, in denen das letzte Frühstück noch auf dem Küchentisch stand, wenn man sie als neuer Mieter übernahm. Ich denke an die vielen, vielen Bars und Clubs und temporären Orte, die aus den Hinterhöfen und in Kellern wuchsen und wucherten, ständig neu, immer woanders, man hätte jeden Tag an einem neuen Platz sein können, an jedem Tag in der Woche.</p>
<p>Die ersten Jahre in Berlin habe ich staunend verbracht. Ich habe mich immer wieder gewundert. Berlin in der Nachwendezeit war ein verwunschener Ort. Eine Stadt die gleichermaßen zusammen wollte wie sie auseinanderstrebte. West und Ost waren so spröde wie leidenschaftlich, wie Geliebte, im ewigen Clinch miteinander, mit dir nicht und ohne dich auch nicht. „Ham wa nich“ wurde zu meiner persönlichen Metapher, zu einer Hymne für das Berlin der 90er Jahre, die etwas kokett sowohl den permanenten Mangel wie auch die Poesie des Immer-Alles-Möglichen umschreibt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dieser Beitrag wurde auch auf <a href="http://www.sounds-like-me.com">Sounds-Like-Me</a> veröffentlicht.</p>
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		<title>Untouched</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Sep 2013 21:18:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Rauh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
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		<description><![CDATA[Ich stehe bei geschätzten 38°C in einem schwarz ausgeschlagenen Raum im Podewil und sehe einer französisch-argentinischen Performance Gruppe dabei zu, wie sie große, schwarze Latexsäcke mit einer milchigen Flüssigkeit bestreicht. Gleich werden sie in die Säcke steigen, gleich werden die Säcke mit einer Art Staubsauger zu riesigen Kissen aufgepumpt. Als das Publikum sitzt, wird die Luft wieder abgesaugt. Und zwar komplett. Da liegen sie, unter den Scheinwerfern, eingeschweißt in ihren schwarzen Säcken, die von innen nicht zu öffnen sind. Atmen ist nur durch eine Art Strohhalm möglich. Als sie später tanzen, habe ich an einer Stelle das Gefühl, eine der Tänzerinnen steht kurz vor dem Kollaps. Sie hyperventiliert. Teil der Show, wie sich später herausstellt. Das Thema der Performance: Die Grenzen zwischen Tod und Leben ausloten. Das Lebendige im Extremen fühlen. Das kommt mir irgendwie bekannt vor&#8230; &#160; Ich kenne viele, die Ihre eigenen Gefühle nur im Extrem spüren können. Der Mann, der nachts mit überhöhter Geschwindigkeit  über rote Ampeln auf Kreuzungen fährt und dabei kurz die Augen schließt. Das Paar, das mindestens einmal wöchentlich ein Drama inszeniert bei dem alle Register gezogen werden, inklusive Anschreien, Weglaufen, Festhalten, Schlagen, oft vor Publikum. Die Frau, die auf dem Klo im Club ungeschützten Sex mit einem [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ich stehe bei geschätzten 38°C in einem schwarz ausgeschlagenen Raum im <a href="http://www.artslant.com/ber/venues/show/5130-podewil-center-for-contemporary-arts" target="_blank">Podewil</a> und sehe einer <a href="http://www.tanzimaugust.de/2009/seiten/blau/kuenstler.html#_6" target="_blank">französisch-argentinischen Performance Gruppe</a> dabei zu, wie sie große, schwarze Latexsäcke mit einer milchigen Flüssigkeit bestreicht. Gleich werden sie in die Säcke steigen, gleich werden die Säcke mit einer Art Staubsauger zu riesigen Kissen aufgepumpt. Als das Publikum sitzt, wird die Luft wieder abgesaugt. Und zwar komplett. Da liegen sie, unter den Scheinwerfern, eingeschweißt in ihren schwarzen Säcken, die von innen nicht zu öffnen sind. Atmen ist nur durch eine Art Strohhalm möglich. Als sie später tanzen, habe ich an einer Stelle das Gefühl, eine der Tänzerinnen steht kurz vor dem Kollaps. Sie hyperventiliert. Teil der Show, wie sich später herausstellt. Das Thema der Performance: Die Grenzen zwischen Tod und Leben ausloten. Das Lebendige im Extremen fühlen. Das kommt mir irgendwie bekannt vor&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img alt="Sylphides_AlainMonot2" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/08/Sylphides_AlainMonot2.jpg" width="700" height="450" /></p>
<p><img title="More..." alt="" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" /></p>
<p>Ich kenne viele, die Ihre eigenen Gefühle nur im Extrem spüren können. Der Mann, der nachts mit überhöhter Geschwindigkeit  über rote Ampeln auf Kreuzungen fährt und dabei kurz die Augen schließt. Das Paar, das mindestens einmal wöchentlich ein Drama inszeniert bei dem alle Register gezogen werden, inklusive Anschreien, Weglaufen, Festhalten, Schlagen, oft vor Publikum. Die Frau, die auf dem Klo im Club ungeschützten Sex mit einem Fremden hat und sich dann wochenlang vor dem Aids-Test fürchtet&#8230; attraktive, intelligente, erfolgreiche Menschen. Im Alltag haben sie alles unter Kontrolle. Sich, ihre Jobs, ihre Beziehungen. Was auffällt: Emotional sind sie geradezu unberührt, Beziehungen wirken oft halbherzig. Die Kontrolle zu haben heißt manchmal auch, sie gar nicht erst abgeben zu können. Kein guter Nährboden für Leidenschaft. Also fehlt dem Alltagsleben meistens das Gefühl, und zwar das große, wahre. Fürchten wir uns davor? Macht uns das Empfinden Angst, oder ist es die Wahrheit?</p>
<p>Um Gefühle wahrzunehmen, wird das Extrem der Ausnahmesituation bemüht. Schlüsselreize wie „Angst“ und „Wut“ lassen für einen Augenblick das Unterbewusstsein ins alltägliche Einerlei. Weil man sich auch an extreme Reize mit der Zeit gewöhnt, muss immer etwas Neues her, es muss mehr sein, andere Grenzen überschreiten. „Zuerst fand ich den Anblick der Latexsäcke ekelhaft und beängstigend,“ sagt einer der Zuschauer im Nachgespräch von <a href="http://www.tanzimaugust.de/2009/seiten/blau/kuenstler.html#_6" target="_blank">Sylphides</a>, „aber dann passierte etwas Seltsames. Je länger ich zusah, desto weniger Abneigung empfand ich. Zum Schluss fühlte ich mich fast angezogen.“ Was passiert bloß mit uns? Und woran liegt das?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dieser Beitrag wurde auch auf <a href="http://www.sounds-like-me.com">Sounds-Like-Me </a>veröffentlicht.</p>
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		<title>All that glitters&#8230;</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Sep 2013 08:47:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Rauh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Design]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Palast der Republik]]></category>
		<category><![CDATA[Palasttisch]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8230;is not gold. Oder: Was geschah mit dem Palast der Republik? Zyniker mögen behaupten, dass es sich um Leichenfledderei im großen Stil handelt. Misanthropen, dass das alles absehbar und sowieso klar war. Und wieder andere, dass man wenigstens aus einem Teil der Ressourcen etwas Brauchbares gemacht hat. Fakt ist jedenfalls, dass der Palast der Republik vor seinem Abriss, oder sollte ich sagen Rückbau, schlappe 120.000.000,-€ wert war, inklusive etwa 20.000 Tonnen Stahl und 4.000 Glasscheiben, die großen von ihnen jeweils 390kg schwer. //Foto: Michael Hoelzl©2010VG-Bildkunst-Bonn// &#160; Der Stahl wurde zum Teil nach Dubai und in die Türkei verkauft, ein anderer Teil wurde eingeschmolzen und zu VW-Motoren, MAN-Motoren und Kettengliedern für Raupenfahrzeuge verarbeitet. Die Scheiben wurden unentgeltlich vergeben, sofern man einen Antrag dafür stellte und eine spätere künstlerische oder gemeinnützige Verwendung nachwies. Von den ursprünglich mehreren tausend wurden schließlich ganze 210 Scheiben einer neuen Nutzung zugeführt. Der Rest zerbrach beim Abbau und landete auf riesengroßen Scherbenhaufen auf dem Schlossplatz oder bekam durch unsachgemäße Lagerung bis zum Abtransport einen Sprung und musste ebenfalls entsorgt werden. Die verbleibenden 210 Scheiben aber wurden von dankbaren Künstlern und Architekten geborgen und in einen neuen, manchmal auch skurrilen Kontext eingebunden. Seit seinem Tagesausflug, den der Rentner Rainer [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230;is not gold. Oder: Was geschah mit dem Palast der Republik?</p>
<p>Zyniker mögen behaupten, dass es sich um Leichenfledderei im großen Stil handelt. Misanthropen, dass das alles absehbar und sowieso klar war. Und wieder andere, dass man wenigstens aus einem Teil der Ressourcen etwas Brauchbares gemacht hat. Fakt ist jedenfalls, dass der Palast der Republik vor seinem Abriss, oder sollte ich sagen <em>Rückbau</em>, schlappe 120.000.000,-€ wert war, inklusive etwa 20.000 Tonnen Stahl und 4.000 Glasscheiben, die großen von ihnen jeweils 390kg schwer.</p>
<p><img alt="cocaine" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2010/01/cocaine.jpg" width="700" height="467" /></p>
<p style="text-align: center;">//<a href="http://www.michaelhoelzl.com/" target="_blank">Foto: Michael Hoelzl©2010VG-Bildkunst-Bonn</a>//</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Stahl wurde zum Teil nach Dubai und in die Türkei verkauft, ein anderer Teil wurde eingeschmolzen und zu VW-Motoren, MAN-Motoren und Kettengliedern für Raupenfahrzeuge verarbeitet. Die Scheiben wurden unentgeltlich vergeben, sofern man einen Antrag dafür stellte und eine spätere künstlerische oder gemeinnützige Verwendung nachwies. Von den ursprünglich mehreren tausend wurden schließlich ganze 210 Scheiben einer neuen Nutzung zugeführt. Der Rest zerbrach beim Abbau und landete auf riesengroßen Scherbenhaufen auf dem Schlossplatz oder bekam durch unsachgemäße Lagerung bis zum Abtransport einen Sprung und musste ebenfalls entsorgt werden.<img title="More..." alt="" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" /></p>
<p>Die verbleibenden 210 Scheiben aber wurden von dankbaren Künstlern und Architekten geborgen und in einen neuen, manchmal auch skurrilen Kontext eingebunden.</p>
<p>Seit seinem Tagesausflug, den der Rentner Rainer Boddin im August 2006 aus dem 121km entfernten Langnow in die Hauptstadt unternahm, ist er in seiner 28 Seelen starken Heimat bekannt wie ein bunter Hund. Als Privatmann hat er eine der seltenen Ausnahmegenehmigungen für den Erwerb von Palastscheiben erhalten und die beiden ergatterten 62-mal-58cm großen Reliquien umgehend in seinem Gartenhaus verbaut. Seitdem führt er immer wieder Kamerateams, Journalisten und neugierige Nachbarn über seinen privaten Grund und erzählt die abenteuerliche Geschichte der Herkunft seines weit gereisten Baumaterials.</p>
<p><img alt="detail2" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2010/01/detail2.jpg" width="660" height="440" /></p>
<p style="text-align: center;">//<a href="http://www.michaelhoelzl.com/" target="_blank">Foto: Michael Hoelzl©2010VG-Bildkunst-Bonn</a>//</p>
<p>Einige der Scheiben wurden in einem <a href="http://www.groh-locations.com/location-0070.php" target="_blank">Kreuzberger Loft</a> verbaut, das über eine Location-Agentur als Setting für Werbe-, Film- und Fernsehproduktionen angeboten wird. Zwei Berliner Architekten haben in der Wolliner Strasse in Berlin Mitte ein Recyclinghaus aus Plattenbauteilen und Scheiben des Palasts der Republik errichtet. Und in der Nähe von Nizza hat ein Künstler einen Minipalast, mit Originalscheiben und Mobiliar aus dem Volkskammersaal, errichtet. Die wohl, im wahrsten Sinne des Wortes, pragmatischste Nutzung, hat sich ein in Berlin lebender österreichischer Fotograf und Designer ausgedacht, der die von ihm erworbenen Scheiben kurzerhand als <a href="http://www.michaelhoelzl.com/palast/">noble Schreibunterlage</a> für sich selbst und andere Kunst- und Kulturschaffende umfunktioniert hat. Eingebettet in exakt gearbeitete Stahlrahmen, die in der Farbe der Originalträger des Palastes lackiert wurden, bilden die Scheiben nun den golden spiegelnden Boden für hoffentlich bald vergoldete Ideen. Wenn das nichts für urbane Goldgräber ist.</p>
<p style="text-align: center;">Geschätzter Gebäudewert des Palast der Rebublik vor Abriss: 120.000.000,-€</p>
<p style="text-align: center;">Abrisskosten: 90.000.000,-€</p>
<p style="text-align: center;">Asbestbeseitigung: 32.000.000,-€</p>
<p style="text-align: center;">Anzahl der Anträge bei der Senatsbauleitung für die Abholgenehmigung von Palastscheiben: 67</p>
<p style="text-align: center;">Genehmigte Anträge (pro Antrag Freigabe für max. 5 Scheiben): 42</p>
<p style="text-align: center;">Anzahl der vergebenen Scheiben: 210</p>
<p style="text-align: center;">Anzahl der Scheiben vor Demontage: 4.000 (Zeugen sagen jedoch, dass man vor Ort durchaus sehen konnte, dass das Ausbauen der Scheiben sehr kompliziert war&#8230;)</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dieser beitrag wurde auch auf <a title="Sounds-Like-Me" href="http://www.sounds-like-me.com/" target="_blank">Sounds-Like-Me</a> veröffentlicht.</p>
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		<title>Mode, Liebe, Inspiration.</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Sep 2013 21:11:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Rauh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Berliner Künstler André Marose verschmilzt die Bereiche Kunst und Mode im Spannungsfeld von Gegenwart und Zukunft und zeigt die Tiefe im Oberflächlichen. Ganz nebenbei bedauert er  aufrichtig, Suzy Menkes auf der Berliner Fashion Week verpasst zu haben. Das erste Mal sind mir seine Arbeiten in einer temporären Bar in der Berliner Rungestrasse begegnet. (An einem dieser lauten Orte, die für eine Weile im Irgendwo kampieren, um dann umzuziehen oder ganz zu verschwinden und Bürokomplexen oder Boutiquen Platz zu machen.)Figuren schienen aus dem Fußboden zu wachsen, lugten hinter Türen hervor und warteten in dunklen Ecken. André MarosesRemovable Graffiti haben einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen.  Ich verliebte mich sofort und schwor, den Urheber zu bitten, mir eines anzufertigen, sollte ich jemals länger in einer Wohnung bleiben, als nur für einen Interim. 1973 in Ostberlin geboren macht André Marose zunächst eine Ausbildung zum Schneider, studiert Wirtschaftswissenschaften und landet schließlich als Meisterschüler an der Universität der Künste. Seine Arbeiten finden inzwischen auch international Beachtung und werden unter anderem in Paris, Basel, Bologna, Liverpool, New York, Chicago und natürlich auch Berlin gezeigt. &#160; // André Marose // Maroses Werk beschäftigt sich mit der Problematik der Inspiration. Auf eine reflektiv-sezierende Weise setzt er sich immer [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Der Berliner Künstler André Marose verschmilzt die Bereiche Kunst und Mode im Spannungsfeld von Gegenwart und Zukunft und zeigt die Tiefe im Oberflächlichen. Ganz nebenbei bedauert er  aufrichtig, Suzy Menkes auf der Berliner Fashion Week verpasst zu haben.</p>
<p><img alt="AndreMarose_Startpage" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/07/AndreMarose_Startpage.jpg" width="984" height="584" /></p>
<p>Das erste Mal sind mir seine Arbeiten in einer temporären Bar in der Berliner Rungestrasse begegnet. (An einem dieser lauten Orte, die für eine Weile im Irgendwo kampieren, um dann umzuziehen oder ganz zu verschwinden und Bürokomplexen oder Boutiquen Platz zu machen.)<img title="More..." alt="" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" />Figuren schienen aus dem Fußboden zu wachsen, lugten hinter Türen hervor und warteten in dunklen Ecken. André Maroses<a href="http://www.andremarose.de/removablegraffiti.html" target="_blank">Removable Graffiti</a> haben einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen.  Ich verliebte mich sofort und schwor, den Urheber zu bitten, mir eines anzufertigen, sollte ich jemals länger in einer Wohnung bleiben, als nur für einen Interim.</p>
<p>1973 in Ostberlin geboren macht André Marose zunächst eine Ausbildung zum Schneider, studiert Wirtschaftswissenschaften und landet schließlich als Meisterschüler an der Universität der Künste. Seine Arbeiten finden inzwischen auch international Beachtung und werden unter anderem in Paris, Basel, Bologna, Liverpool, New York, Chicago und natürlich auch Berlin gezeigt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://gracekeller.de/wp-content/uploads/2013/09/Bildschirmfoto-2013-09-24-um-22.49.11.png"><img alt="André Marose" src="http://gracekeller.de/wp-content/uploads/2013/09/Bildschirmfoto-2013-09-24-um-22.49.11-1024x654.png" width="1024" height="654" /></a></p>
<p style="text-align: center;">// André Marose //</p>
<p>Maroses Werk beschäftigt sich mit der Problematik der Inspiration. Auf eine reflektiv-sezierende Weise setzt er sich immer wieder mit sich selbst und seiner Arbeit auseinander. Als Künstler bleibt er jedoch auch im engen Kontakt zur Mode. In seinem Schaffen tastet er sich ebenso wie sie an seine Themen heran, nähert sich der Zukunft schrittweise in der Gegenwart. Mode ist ein Thema, das immer wieder auftaucht und auf verschiedene Arten rezipiert wird. Eine seiner aktuellen Arbeiten, <a href="http://www.andremarose.de/fessedevogue.html" target="_blank">Fesse de Vogue</a>, wird voraussichtlich im September Rahmen einer Gruppenausstellung in der Berliner <a href="http://www.metro-berlin.net/" target="_blank">Galerie Metro</a> (Opening 4.9.2009) zu sehen sein. Please be quiet!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://gracekeller.de/wp-content/uploads/2013/09/Bildschirmfoto-2013-09-24-um-22.55.54.png"><img class="alignnone size-large wp-image-146" alt="Charlotte | Lire Vogue" src="http://gracekeller.de/wp-content/uploads/2013/09/Bildschirmfoto-2013-09-24-um-22.55.54-1024x743.png" width="1024" height="743" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>___In Deinen Arbeiten beschäftigst Du Dich immer wieder mit Mode, bzw. schneidest das Thema Mode an. Was bedeutet Mode für Dich? Gibt es ein Grundthema, das Dich nicht loslässt und das immer wieder in Deinen Arbeiten auftaucht?</em></p>
<p>AM_Ganz abgesehen davon, dass ich nach bestandenem Voreignungstest einer Kunsthochschule zunächst eine Ausbildung zum Schneider absolviert habe, bin ich als Künstler immer im engen Kontakt zum Modedesign geblieben. Für einige Jahre war ich mindestens einmal pro Jahr bei den Schauen in Paris. Mir wurde angeboten, als Einkäufer zu arbeiten oder über aktuelle Mode zu schreiben. Allerdings interessiert mich Mode als Anziehanleitung für die nächsten 6 Monate wenig. Als Modedesigner würde ich dieses Konzept sogar ablehnen. Als Künstler bin ich aber &#8211; im Gegensatz zu vielen meiner Kollegen, die sich zumeist der Vergangenheit versichern &#8211; gerade daran interessiert, wie man jedes Jahr aufs Neue versucht, in der Gegenwart die Zukunft zu entdecken. Auch verbindet mich mit dem Modedesign die herantastende Vorgehensweise, da sich meiner Meinung nach Zukunft anders nicht erarbeiten lässt.</p>
<p>An Kunst oder Modedesign interessiert mich gleichermaßen, wie und unter welchen Bedingungen eine Idee/Kreativität entsteht. Dieses anhand der Offenlegung meiner eigenen kreativen Prozesse darzustellen, immer mit dem Anspruch Inspiration für die eigene Kreativität des Betrachters anzubieten, ist das Grundthema in meinen Arbeiten, die oft von der unendlich schwierigen Suche, vom Scheitern oder einfach nur von meinen Inspirationsquellen handeln.</p>
<p><em>___Könntest Du mir ein bisschen was über Deine Arbeit <a href="http://www.andremarose.de/fessedevogue.html">Fesse de Vogue</a> erzählen? Um was genau geht es? Auf dem Bild auf Deiner Website sieht man die Rückseiten verschiedener Vogue Cover aus verschiedenen Ländern, fast alle aus dem Jahr 2008, nur die italienische ist von 2007…</em>.</p>
<p>AM_Die in einer Linie angeordneten Magazinrücken stehen für den schmalen Grat der Mode im Jetzt, zwischen Vergangenheit und Zukunft (zwischen Stil und Debakel, zwischen Zugehörigkeit oder Ablehnung durch eine Szene, etc.). Der VOGUE wird global vertraut, diesen Moment vermitteln zu können. Das „Fesse“ aus dem Titel &#8211; im Englischen einfach der heraldische Balken, im Französischen allerdings das Hinterteil, oder genauer: die Arschbacke &#8211; macht aber auch ironisch die Skepsis dieser Sichtweise deutlich. Trotzdem sind die von den eigentlichen Magazinseiten befreiten Magazinrücken als Linie die Möglichkeit, diese in alle Richtungen zu zeichnen oder zu legen, und damit die Möglichkeit eigene Maßstäbe zu entwickeln und anzusetzen bzw. selbst kreativ zu werden.</p>
<p><a href="http://gracekeller.de/wp-content/uploads/2013/09/Bildschirmfoto-2013-09-24-um-22.56.23.png"><img class="alignnone size-large wp-image-140" alt="White Magazin I" src="http://gracekeller.de/wp-content/uploads/2013/09/Bildschirmfoto-2013-09-24-um-22.56.23-1024x748.png" width="1024" height="748" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>___ <a href="http://www.andremarose.de/volta5.html">VOLTA 5</a> in Basel, um was ging es da?</em></p>
<p>AM_Auf der Basler Kunstmesse VOLTA wurde ich zusammen mit dem Künstler Bosse Sudenburg von der Galerie Metro präsentiert.</p>
<p>Bei der den Raum bestimmenden Arbeit <a href="http://www.andremarose.de/fullmoon.html">Full Moon (Taking A Walk)</a> handelte es sich um ein Archiv gerahmter Ausstellungstitel. An diesen fasziniert mich vor allem, wie kulminierte Kreativität zunächst in wenigen Worten kristallisiert wird, um sich dann bei Berührung mit dieser Projektionsfläche als Imagination einer Ausstellung wieder aufzufalten. Die Titel ergeben als Wörter einen frei lesbaren Text, der diesen Prozess spiegelt.</p>
<p><a href="http://www.andremarose.de/fullmoon.html">Full Moon (Taking A Walk)</a> steht übrigens in enger Beziehung zu meiner Arbeit <a href="http://www.andremarose.de/whitemagazine.html">White Magazine</a>, wo in einem Heft handschriftlich alle redaktionell sowie als Werbung auftauchenden Brands in VOGUE, ID und Purple chronologisch aufgeführt werden, um frei von ihrem immensen Marketingballast einen konkreten Text zur Mode zu schreiben.</p>
<p>Siehe dazu auch den Messe-Pressetext der Galerie (<a href="http://www.metro-berlin.net/">Metro</a>, Anm. d. Red):<br />
“Angesichts der Arbeit „Full Moon (Taking a Walk)“ stellt sich anfangs die Frage, ob die gesamte Hängung in ihrer Form verbindlich ist, ob einzelne Titel herausgelöst und selbst kombiniert werden können, oder ob gerade in der Zusammenstellung die Arbeit und das Produkt des Künstlers besteht. Während also die festgelegte, schematische Hängung der Ausstellungstitel zunächst einen starren und abgeschlossenen Eindruck macht, steht der Titel der Arbeit „Full Moon (Taking a Walk)“ für die Aufforderung zur Inspirationssuche.</p>
<p>Der Blick der BetrachterInnen schweift zwischen den möglichen Bedeutungen der Titel, der Imagination von Ausstellungen, für die sie stehen könnten und der Erinnerung an Ausstellungen, die sie selbst gesehen haben, umher. Losgelöst aus ihrem ursprünglichen Kontext erscheinen die Titel darüber hinaus in ihrer reinen Fiktionalität und bilden ein unerschöpfliches poetisches Kontinuum. Der Versuch der Orientierung bedeutet hier bereits ein Fortschreiben des Textes.”</p>
<p><a href="http://gracekeller.de/wp-content/uploads/2013/09/Bildschirmfoto-2013-09-24-um-22.56.54.png"><img class="alignnone size-large wp-image-143" alt="White Magazine II" src="http://gracekeller.de/wp-content/uploads/2013/09/Bildschirmfoto-2013-09-24-um-22.56.54-1024x748.png" width="1024" height="748" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>___Du hast geschrieben, dass Du ein schlechtes Gewissen hast, weil Du Suzy Menkes auf der Fashion Week verpasst hast. Warum? Hättest Du sie gern etwas gefragt?</em></p>
<p>AM_Ja, leider habe ich die SuzyMenkesBerlinFashionweek verpasst. Ich bedauere allerdings nicht, Suzy Menkes nicht begegnet zu sein, sondern ich bedaure dem qualitativen Sprung, den ihr Besuch bedeutet, nicht beigewohnt zu haben. Ich bedauere auch, dass sie nicht schon vor ein paar Jahren, eine PULVER-Show besucht hat, ein großartiges, intelligentes Label, das es just nicht mehr gibt.</p>
<p>Bei der Wortgewalt der Dame würde ich es mir schon dreimal überlegen, ob ich ihr wirklich eine Frage stellen wollte oder ob das Lesen ihrer Artikel nicht schon amüsant scharf genug ist.</p>
<p><em>___An was arbeitest Du aktuell?</em></p>
<p>AM_Demnächst werde ich „KB“ &#8211; eine digitale Slideshow aller im Internet verfügbaren Celebrity Shots von Klaus Biesenbach, Direktor des neu geschaffenen Media Departments am MoMA &#8211; zeigen.</p>
<p><em>___Wenn Du einen Wunsch frei hättest, was wäre es?</em></p>
<p>AM_Die AW1996-Show von Comme des Garçons besuchen zu dürfen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://gracekeller.de/wp-content/uploads/2013/09/Bildschirmfoto-2013-09-24-um-22.54.42.png"><img class="alignnone size-large wp-image-144" alt="Lire Vogue II" src="http://gracekeller.de/wp-content/uploads/2013/09/Bildschirmfoto-2013-09-24-um-22.54.42-1024x743.png" width="1024" height="743" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: center;">// <a href="http://www.andremarose.de/" target="_blank">http://www.andremarose.de</a> //</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Taxi Driver</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Sep 2013 21:02:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Rauh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Taxi]]></category>

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		<description><![CDATA[„Und, wie läuft das Geschäft?“ Schlecht natürlich, wie denn sonst. Das sagen sie jedenfalls unisono, die Berliner Taxifahrer. Eigentlich kaum zu glauben; nötig zu haben scheint ein Berliner Taxler seine Fahrgäste  nicht – jedenfalls ist das schwerlich vorstellbar, wenn ich an die vielen Situationen denke, in denen ich, der ach so rare Fahrgast, stehen gelassen („zu viel Gepäck,“ „mit Kind“), bevormundet („Texten? Was soll’n das sein. Machen sie lieber was Ordentliches.“) betrogen („das Navi sagt, das ist die kürzeste Route“) oder sonst wie schlecht behandelt worden bin. Man hat eigentlich keine Lust, wieder einzusteigen. Aber genau das tue ich immer wieder. Und ich muss gestehen: Ich liebe es. Ich denke an eine Tour während der Loveparade. Der Fahrer rast mit etwa 90 km/h über den 17. Juni. Als ich ihn anbrülle, sofort das Tempo zu drosseln und ihn frage, was um Himmels Willen er genommen hat, dreht er sich, ohne den Fuß vom Gas zu nehmen, zu mir um und sieht mich mit kanaldeckelgroßen Pupillen an: „Nichts. Aber hast du was Schnelles für mich dabei?!?“ Dann der Fahrer, der mich ins alte Cafe Einstein in die Kurfürstenstrasse bringen soll und mir ganz gentlemanlike anbietet, man könne das mit der Rechnung ja auch [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>„Und, wie läuft das Geschäft?“ Schlecht natürlich, wie denn sonst. Das sagen sie jedenfalls unisono, die Berliner Taxifahrer. Eigentlich kaum zu glauben; nötig zu haben scheint ein Berliner Taxler seine Fahrgäste  nicht – jedenfalls ist das schwerlich vorstellbar, wenn ich an die vielen Situationen denke, in denen ich, der ach so rare Fahrgast, stehen gelassen („zu viel Gepäck,“ „mit Kind“), bevormundet („Texten? Was soll’n das sein. Machen sie lieber was Ordentliches.“) betrogen („das Navi sagt, das ist die kürzeste Route“) oder sonst wie schlecht behandelt worden bin. Man hat eigentlich keine Lust, wieder einzusteigen. Aber genau das tue ich immer wieder. Und ich muss gestehen: Ich liebe es.</p>
<p><strong><img alt="MiriamRauh_Taxi1" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/08/MiriamRauh_Taxi1-1024x768.jpg" width="1024" height="768" /><br />
</strong></p>
<p>Ich denke an eine Tour während der Loveparade. Der Fahrer rast mit etwa 90 km/h über den 17. Juni. Als ich ihn anbrülle, sofort das Tempo zu drosseln und ihn frage, was um Himmels Willen er genommen hat, dreht er sich, ohne den Fuß vom Gas zu nehmen, zu mir um und sieht mich mit kanaldeckelgroßen Pupillen an: „Nichts. Aber hast du was Schnelles für mich dabei?!?“ Dann der Fahrer, der mich ins alte Cafe Einstein in die Kurfürstenstrasse bringen soll und mir ganz gentlemanlike anbietet, man könne das mit der Rechnung ja auch in, äh, Naturalien lösen, junge Frauen hätten ja irgendwie immer wenig Geld.</p>
<p><img title="More..." alt="" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" /></p>
<p>Ich erinnere mich an eine Fahrerin, die so unsicher hinter ihrem Steuer saß, dass R. sie kurzerhand auf den Rück- und sich selbst auf den Fahrersitz verfrachtete. Ich bin mir sicher: R. rettete uns vor einem Crash. Es gibt auch Stories von sehr gastfreundlichen Fahrern. Zum Beispiel die vom trockenen Alkoholiker, der mich eines Abends in den Apollo-Saal bringt. Unterwegs bekomme ich einen Anruf, für ein paar englische Künstler muss unbedingt noch etwas Brandy von der Tankstelle mitgebracht werden. „Von der Tanke? Hör’n se uff, das ist doch viel zu teuer. Wir fahren einfach zu mir, ick hab noch’n janzen Keller von mit dit Zeugs.“ (Wäre in Karlshorst gewesen, ich habe dankend abgelehnt.) Dann war da der Fahrer, der wie eine gesengte Sau von der Rosenthaler Strasse nach Moabit fuhr, weil H. ihn beim Einsteigen darum gebeten hatte. „Um was geht es denn nun,“ fragt mich der Mann, als H. aus dem Wagen und wie der Blitz die Treppen hochgesprungen war. „Mein Freund möchte einen Film auf Video aufnehmen und er braucht den Vorspann“ Ich hätte nicht gedacht, dass ein Kiefer so tief auf einen Brustkorb sinken kann. Dass ich H. oben dann fausttrommelnd und auf dem Boden liegend vorfand, weil ein paar Sekunden des Vorspanns fehlten, hat der Arme zum Glück nicht mehr sehen können.</p>
<p>Ach, Ihr Taxifahrer&#8230; Die Topografie dieser Stadt hat sich mir durch den Blick aus Euren Fenstern erschlossen. Lange Zeit gab es fast nichts Schöneres für mich, als mit einem von Euch durch die Berliner Nacht zu brausen, Zigaretten rauchend, Musik hörend, das Gesicht an die kühle Scheibe gelehnt&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Frank Hülsbömer-The Fiction Of Science</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Sep 2013 07:51:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Rauh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Fashion]]></category>
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		<category><![CDATA[Beauy Arts Magazine]]></category>
		<category><![CDATA[Burberry]]></category>
		<category><![CDATA[Frank Hülsbömer]]></category>
		<category><![CDATA[Gestalten Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[The Fiction of Science]]></category>
		<category><![CDATA[Traffic News to go]]></category>

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		<description><![CDATA[„Der Verkauf interessiert mich eigentlich nicht,“ sagt der in Berlin lebende Fotograf Frank Hülsbömer (Wallpaper, Beaux Arts Magazine) auf die Frage, was genau ihn am Publizieren reizt. Er sei im Gegenteil sogar ein bisschen wie der Juwelier in E.T.A. Hoffmanns „Das Fräulein von Scuderie,“ der sich seine Schmuckstücke zurückholt und dabei auch vor Greueltaten nicht zurückschreckt. Aber keine Sorge, so weit würde Frank Hülsbömer niemals gehen. Er hat einen anderen Weg gefunden. Indem er sie in seinem Bildband THE FICTION OF SCIENCE versammelt, konserviert er einige seiner Werke für den Betrachter für die Ewigkeit &#8211; und eben auch für sich. //Foto: Michael Hoelzl©2010VG-Bildkunst-Bonn// &#160; „Whether sketchily visualized thoughts or meticulously staged motifs, his dynamic depictions of immobile objects often resemble computer renderings,“ heißt es im Katalog des Gestalten Verlages zur Vorstellung Deines Buches THE FICTION OF SCIENCE. Woher kommt Deine Liebe zur Perfektion? &#62;&#62; Es ist keine Liebe. Eher eine Angst und Unwohlsein, wenn etwas nicht gut ist. Von Perfektion will ich gar nicht sprechen. Es gibt sie nicht. Perfektion ist nur eine Idee, die man anstreben kann. Wie definierst Du „Schönheit“? &#62;&#62; Sie bedingt Geist, Intelligenz, Humor, Ernsthaftigkeit, eigenständigen Charakter und die richtigen Proportionen des Körpers zu seiner Oberfläche und der Farben zu ihrer [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>„Der Verkauf interessiert mich eigentlich nicht,“ sagt der in Berlin lebende Fotograf <a href="http://www.frankhuelsboemer.de/" target="_blank">Frank Hülsbömer</a> (<a href="http://www.wallpaper.com/" target="_blank">Wallpaper</a>, <a href="http://www.beauxartsmagazine.com/" target="_blank">Beaux Arts Magazine</a>) auf die Frage, was genau ihn am Publizieren reizt. Er sei im Gegenteil sogar ein bisschen wie der Juwelier in E.T.A. Hoffmanns „Das Fräulein von Scuderie,“ der sich seine Schmuckstücke zurückholt und dabei auch vor Greueltaten nicht zurückschreckt. Aber keine Sorge, so weit würde Frank Hülsbömer niemals gehen. Er hat einen anderen Weg gefunden. Indem er sie in seinem Bildband<a href="http://www.gestalten.com/books/detail?id=ceafb21a239418a601239437453d0004" target="_blank"> THE FICTION OF SCIENCE</a> versammelt, konserviert er einige seiner Werke für den Betrachter für die Ewigkeit &#8211; und eben auch für sich.</p>
<p><img alt="4630w1sw" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2010/01/4630w1sw.jpg" width="700" height="469" /></p>
<p>//<a href="http://www.michaelhoelzl.com/" target="_blank">Foto: Michael Hoelzl©2010VG-Bildkunst-Bonn</a>//</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>„Whether sketchily visualized thoughts or meticulously staged motifs, his dynamic depictions of immobile objects often resemble computer renderings,“ heißt es im Katalog des Gestalten Verlages zur Vorstellung Deines Buches THE FICTION OF SCIENCE. Woher kommt Deine Liebe zur Perfektion?</strong></p>
<p>&gt;&gt; Es ist keine Liebe. Eher eine Angst und Unwohlsein, wenn etwas nicht gut ist. Von Perfektion will ich gar nicht sprechen. Es gibt sie nicht. Perfektion ist nur eine Idee, die man anstreben kann.</p>
<p><strong>Wie definierst Du „Schönheit“?</strong></p>
<p>&gt;&gt; Sie bedingt Geist, Intelligenz, Humor, Ernsthaftigkeit, eigenständigen Charakter und die richtigen Proportionen des Körpers zu seiner Oberfläche und der Farben zu ihrer Anordnung und Menge.</p>
<p><strong>Deine Arbeiten scheinen oft ein Wechselspiel aus Theoretischem und Visuellem zu sein; Du selbst wirkst manchmal eher wie ein visueller Philosoph als ein Fotograf. Wie würdest Du Dich selbst in Deiner Arbeit beschreiben?</strong></p>
<p>&gt;&gt; Gefällt mir. Vielleicht drucke ich doch mal Visitenkarten: F. Hülsbömer, visueller Philosoph, Musterstrasse&#8230;</p>
<p><img title="More..." alt="" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" /></p>
<p><strong>Hattest Du von Anbeginn Deiner beruflichen Laufbahn an eine Faszination für geometrische Arrangements oder hat sich Dir die Bilderwelt über einen anderen Zugang erschlossen?</strong></p>
<p>&gt;&gt; Die Geometrie ist u.a. durch die Beschäftigung mit der Sprache der Mathematik (Gottlob Frege/Begriff, Funktion, Bedeutung) in den Vordergrund getreten. Organische Arrangements waren aber noch nie mein Ding. Das kann die Natur besser.</p>
<p><strong>Wer sind Deine Vorbilder im fotografisch-künstlerischen Bereich? Und wer in anderen Bereichen?</strong></p>
<p>&gt;&gt; <a href="http://www.romansigner.ch/" target="_blank">Roman Signer</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Fischli_und_David_Weiss" target="_blank">Fischli&amp;Weiss</a> in der bildenden Kunst. In der Literatur Musil, Joyce, Bachmann aber ich lese fast nie Fiction, es sei denn, sie gibt vor, Wissenschaft zu sein. Musik: alles von Bach bis DAF. Es gibt vieles in der zeitgenössischen Musik, was mir gefällt: Battles, Fever Ray, Hot Chip, Moderat, TV on the Radio, Wild Beasts&#8230;</p>
<p><strong><img alt="4636w1sw" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2010/01/4636w1sw.jpg" width="700" height="469" /></strong></p>
<p>//<a href="http://www.michaelhoelzl.com/" target="_blank">Foto: </a><a href="http://www.michaelhoelzl.com/" target="_blank">Michael Hoelzl©2010VG-Bildkunst-Bonn</a>//</p>
<p><strong>Gibt es einen bestimmten Grundsatz, nach dem Du arbeitest?</strong></p>
<p>&gt;&gt; Es muss zu einem solchen Grad neu und ungesehen sein, dass man maximal Verwandte darin erkennt aber es niemals kopiert oder epigonisch ist. Es gibt nur einen Menschen mit der Namenskombination Frank Hülsbömer auf diesem Planeten, da mein Nachname sehr selten ist. Ähnlich individualistisch ist meine Arbeitsmaxime. Aber natürlich gibt es Einflüsse und Moden, denen ich mich nicht verschließen kann oder will.</p>
<p><strong>Was inspiriert Dich? Gibt es Motive, die Dich immer wieder faszinieren?</strong></p>
<p>&gt;&gt; Ich baue seit ein paar Jahren meine Motive ja ausschließlich selber, weil ich mir, aufgrund einer einschneidenden Änderung in meinem Leben, schnell eine Parallelwelt bauen musste, die alle Widersprüche zulässt oder sogar glücklich vereint.</p>
<p>Ich arbeite stark mit bzw. aus dem Unbewussten. Farben und Formen bilden hier Gedanken und Erzählungen, die teilweise nur gefühlt und geahnt werden können. Das Bewusste kann mir größtenteils gestohlen bleiben. Es wurde gerade in der letzten Zeit in der (Konzept-) Kunst völlig überschätzt und hat sich &#8211; in einem Wust von Theorie, Erklärungen und Analysen &#8211; sehr breit gemacht und den Spielball der Kunst an die Kritiker abgegeben, dabei wissen wir doch, dass das Unbewusste eine Denkmaschine von so unglaublicher Geschwindigkeit und Komplexität ist, dass ein Computer mit einer solchen Rechenleistung an dem banalsten aller Probleme scheitern würde; seiner eigenen Kühlung. Der Neurologe Wolf Singer  (Prof. Dr. Wolf Singer, Max-Planck-Institut für Hirnforschung, Frankfurt/Main) hat dazu einmal sehr amüsante Ausführungen gemacht.</p>
<p><strong>Du hast eine Weile in New York gelebt, in Warschau und lebst aktuell vorrangig in Berlin. Welcher Wohnort war Dein liebster und wo hast Du das bis jetzt günstigste Klima zum Arbeiten für Dich vorgefunden und warum?</strong></p>
<p>&gt;&gt; Anfang der 90er mit 23 Jahren in New York&#8230; das war eine Befreiung. Mit einem Schlag verlor ich fast sämtliche chronischen Krankheiten. Es war ein einziger Rausch. Ich habe dort aber noch nicht künstlerisch gearbeitet sondern nur getankt und schlechte deutsche Gewohnheiten abgelegt. In Warschau begann ich langsam mit dem künstlerischen Arbeiten. In Berlin gerät man schnell an einen &#8220;point of no return&#8221;. Wo kann man danach noch ernsthaft leben und arbeiten? Vielleicht in einem mittelalterlichen Dorf in Italien aber dort würde ich den ganzen Tag nur im Garten auf einen Pfirsichbaum starren und käme nicht mehr zum Arbeiten</p>
<p><strong>Gibt es einen Ort, an den es Dich immer wieder zieht, beziehungsweise einen, an dem Du noch nicht warst, den Du aber unbedingt besuchen möchtest?</strong></p>
<p>&gt;&gt; Ja, Israel. Ich werde nun dieses Jahr endlich dort hinfahren zu einer Hochzeit in Tel Aviv. Auch wenn mich die politische Situation enorm aufregt.</p>
<p><img alt="4616w1sw" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2010/01/4616w1sw.jpg" width="700" height="469" /></p>
<p>//<a href="http://www.michaelhoelzl.com/" target="_blank">Foto: Michael Hoelzl©2010VG-Bildkunst-Bonn</a>//</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Wenn Du unabhängig von finanziellen und räumlichen Gegebenheiten wärst, welches Projekt würdest Du umsetzen?</strong></p>
<p>&gt;&gt; Finanzen und Räume sind nicht meine Begrenzung. Eher Zeit. Ich hätte gerne mehr Zeit, um mein Unbewusstes weiter vollzupumpen und den Alltag auszublenden. Dann würde ich da sitzen und warten, bis mein Prozessor anfängt zu rotieren. Es gibt kaum Schöneres, als den handwerklichen Akt des Fotografierens, bei dem das Unterbewusste die Hand führt und den Plan manchmal spontan über den Haufen wirft. Ich lache dabei manchmal vor Rührung oder Überraschung.</p>
<p><strong>An was arbeitest Du aktuell?</strong></p>
<p>&gt;&gt; An den Photokinetics. Sie entwickeln sich mehr und mehr zu animierten Filmen. Ich träume davon, aus ihnen ein Musikvideo für Radiohead zu machen.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><img alt="TheFictionCover" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2010/01/TheFictionCover.png" width="1012" height="718" /></p>
<p><strong>THE FICTION OF SCIENCE, </strong><strong>Frank Hülsbömer</strong></p>
<p>144 Seiten, Hardcover, 39,90-€ | Format: Format: 24,5 x 33 cm | ISBN: 978-3-89955-276-8 | Gestalten Verlag</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>„Et hätt noch immer jut jejange.“ &#8211; Im Gespräch mit Nikolaus Jagdfeld</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Sep 2013 07:42:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Rauh</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Economics]]></category>
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		<category><![CDATA[Cabinet Store]]></category>
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		<category><![CDATA[Quartier 206]]></category>
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		<description><![CDATA[Was passiert mit Berlin – bleibt die Stadt an der Spree ein panerotisches Armenhaus oder hat sie eine glanzvollere Zukunft? Wer könnte besser darüber nachdenken als jemand, der Berlin sowohl aus der Perspektive der Sub- als auch der Hochkultur kennt und der darüber hinaus mit einigen Metropolen dieser Welt recht gut vertraut ist. &#160; //Foto: Michael Hoelzl©2013VG-Bildkunst-Bonn// Nikolaus Jagdfeld ist vielen Berlinern ein Begriff. Als Gründer des legendären Scala Clubs in der Friedrichstrasse und auch als Mit-Geschäftsführer des Berliner Departmentstore Quartier 206, einem in ganz Europa für sein einzigartiges Konzept und Angebot bekannten Kaufhaus der Luxusklasse, hat er sich in kurzer Zeit einen Namen gemacht. Recht neu eröffnet hat er den Departmentstore-Cabinet Store, eine Art Raritätensammlung, die sich wohltuend vom sterilen Design anderer Konzept-Stores abhebt. Mode, Fotografie und Interior-Design verbinden sich im Departmentstore-Cabinet, Kunden finden „eine Vielfalt von Objekten unterschiedlichster Art und Herkunft (die) zu einer neuen Einheit und Weltsicht“ verschmelzen. In seinem Berliner Büro gibt Nikolaus Jagdfeld zwischen einer eklektischen Mischung ausgewählter schwarz-weiß Fotografien, ethnischer Kunst und abendländischer Designklassiker Einblick in seine Gedanken über die Zukunft des Handels und Berlin und beantwortet dabei auch ein paar persönliche Fragen. MR_ Ist Berlin nicht nach wie vor eine sehr spröde Stadt, was Luxus anbelangt? [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Was passiert mit Berlin – bleibt die Stadt an der Spree ein panerotisches Armenhaus oder hat sie eine glanzvollere Zukunft? Wer könnte besser darüber nachdenken als jemand, der Berlin sowohl aus der Perspektive der Sub- als auch der Hochkultur kennt und der darüber hinaus mit einigen Metropolen dieser Welt recht gut vertraut ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img alt="jagdfeldsw2" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2010/04/jagdfeldsw2-661x1024.jpg" width="661" height="1024" /></p>
<p style="text-align: center;">//Foto: <a href="http://www.michaelhoelzl.com/" target="_blank">Michael Hoelzl</a>©2013VG-Bildkunst-Bonn//</p>
<p style="text-align: center;">
<p>Nikolaus Jagdfeld ist vielen Berlinern ein Begriff. Als Gründer des legendären Scala Clubs in der Friedrichstrasse und auch als Mit-Geschäftsführer des Berliner Departmentstore <a href="http://www.departmentstore-quartier206.com/" target="_blank">Quartier 206</a>, einem in ganz Europa für sein einzigartiges Konzept und Angebot bekannten Kaufhaus der Luxusklasse, hat er sich in kurzer Zeit einen Namen gemacht. Recht neu eröffnet hat er den Departmentstore-<a href="http://www.departmentstore-cabi.net/">Cabinet Store</a>, eine Art Raritätensammlung, die sich wohltuend vom sterilen Design anderer Konzept-Stores abhebt. Mode, Fotografie und Interior-Design verbinden sich im Departmentstore-Cabinet, Kunden finden „eine Vielfalt von Objekten unterschiedlichster Art und Herkunft (die) zu einer neuen Einheit und Weltsicht“ verschmelzen.</p>
<p>In seinem Berliner Büro gibt Nikolaus Jagdfeld zwischen einer eklektischen Mischung ausgewählter schwarz-weiß Fotografien, ethnischer Kunst und abendländischer Designklassiker Einblick in seine Gedanken über die Zukunft des Handels und Berlin und beantwortet dabei auch ein paar persönliche Fragen.</p>
<p><img title="More..." alt="" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" /></p>
<p>MR_ <strong>Ist Berlin nicht nach wie vor eine sehr spröde Stadt, was Luxus anbelangt? Wie ist das mit den Kunden im Department Store? Sind das Leute, die von irgendwoher nach Berlin kommen oder sind es Berliner?</strong></p>
<p>NJ_ Wir haben im Departmentstore Quartier 206 natürlich viele Touristen, wir haben deutschland- oder europaweit Kunden, aber es kommen auch viele Berliner. Eine weitere große Gruppe sind russische Kunden. Zum einen dadurch, dass Russland nahe ist, den Berlinern auch mental nah ist -– nach achtzig Jahren Kommunismus war Berlin der erste sichere Hafen. Es gibt eine ganze Menge Russen die hier wohnen, die auch keine Berührungsängste vor Ost-Berlin haben. Darüber hinaus gibt es einen Trend zum Zweitwohnsitz in Berlin. Viele wohlhabende Familien aus ganz Deutschland haben heute eine Wohnung in Mitte. Die ziehen dort hin, wo Kunst, Kultur, Restaurants und interessante Geschäfte sind.</p>
<p>Eine ähnliche Entwicklung kennt man schon länger aus anderen Ländern &#8211; Familien in Frankreich oder England, aus Manchester oder Liverpool, New Castle, Marseille oder Bordeaux, haben eine Zweitwohnung in der Hauptstadt. Das passiert hier auch. Manche ziehen zwar nach Charlottenburg, aber im Prinzip ist West-Berlin wie Köln und Hamburg – fertig. Ein Tennisclub, Golfclub, Italiener, ein Stück KuDamm&#8230; da wird alles nur noch substituiert. Wenn zum Beispiel in Hamburg ein Restaurant aufmacht, muss ein anderes schließen, wohingegen hier im Ostteil Berlins immer etwas Neues eröffnen kann und da macht keiner zu. Es wächst sukzessive.</p>
<p>MR_ <strong>Ich habe gehört, dass Sie das alte Kino, das Scala in der Friedrichstrasse, nach langem Leerstand quasi zuerst wieder nutzten, weil Sie einen Raum suchten, in dem Sie ungestört laut Gitarre spielen konnten.</strong></p>
<p>NJ_ Ja, ich wollte dort Schlagzeug spielen. Ich habe dann einen Club aufgemacht und den drei Jahre geführt, immer mit einem jeweiligen Manager. Das letzte Jahr war das der Connie, Connie Opper.</p>
<p>MR_ <strong>Vom Rio.</strong></p>
<p>NJ_ Genau, das Rio machte gerade zu. Ja, das Scala habe ich gegründet, die Firma gehört mir auch noch &#8211; aber ich löse sie jetzt auf.</p>
<p>MR_ <strong>Machen Sie noch Musik?</strong></p>
<p>NJ_ Ich spiele selber  selber ein bisschen, ja. Ich lege auf, spiele Gitarre und spiele Klavier, aber nicht mehr so viel. Es ist weniger geworden leider, durch die Arbeit, aber ich spiele noch mit großer Freude. Und ich höre unglaublich viel. Ich lebe sehr mit Musik. Wenn ich aufstehe, mache ich als erstes Musik an.</p>
<p>MR_ <strong>Sie haben in London studiert, wie ist das, von London nach Berlin zu ziehen?</strong></p>
<p>NJ_ Sehr angenehm. London ist eine ganz andere Art Stadt. Da ist viel mehr&#8230; da ist mehr Druck. Viele Ausländer bringen ihr Geld nach London, wegen der Steuervorteile. Man kann fast sagen, wer seine Firma verkauft, weltweit, zieht nach London. Auch die über fünfhundert Jahre Kolonialzeit merkt man London an, es leben mehr als 12 Millionen Menschen dort. Das hat unglaublich viel Kraft und Druck. Das Essen ist hervorragend, viele Dienstleistungen sind die besten in Europa&#8230; London ist eine wunderbare Stadt die ich sehr mag und auch vermisse. Allerdings ist London auch sehr teuer. Wenn man einmal aus dem Haus geht, ist man zwanzig Pfund los, selbst wenn man gar nichts macht.</p>
<p>Berlin gefällt mir unglaublich gut, es ist lockerer, einfacher. Man kann in Berlin vieles machen und es gibt viel Spannendes. Berlin wächst als Stadt auch neu zusammen, während alle anderen Städte sehr fertig entwickelt sind. Berlin findet sich neu. Es entwickelt sich eine neue Art von, man sagt „Berliner Republik“ &#8211; viele Deutsche sind einmal im Monat hier, gehen dann in den bekannten Restaurants essen, oder treffen sich mit Leuten, oder was auch immer. Wir hatten seit achtzig Jahren keine richtige Hauptstadt und auch keine richtige Metropole. Ein junger Lagerfeld ist abgehauen aus dem Norddeutschen nach Paris. Er ging nicht nach München oder Hamburg denn da „ging nichts.“ Das heißt, natürlich „ging da was,“ aber für eine richtig gute Person bot Paris mehr Potential.</p>
<p>MR_ <strong>Bis Ende der neunziger Jahre ist fast jeder, der wirklich erfolgreich sein wollte, weggegangen aus Deutschland, zumindest im Designbereich.</strong></p>
<p>NJ_ Ja, Köln, Hamburg und München und Düsseldorf bieten eben auch nicht die Plattform für eine bestimmte Qualität, das muss man leider sagen.</p>
<p>MR_ <strong>Woran liegt das? Liegt das an der deutschen Mentalität? Liegt es auch am Neid?</strong></p>
<p>NJ_ Es liegt an der Größe der Stadt. Und es liegt an der Sicherheit und an dem Wohlstand in Deutschland. Wenn Sie sich mal so einen Melting Pot wie London anschauen, wo es gar kein soziales Netz gibt, da haben Sie in jedem Supermarkt jemanden, der Ihnen die Tüten einpackt. Da lastet ein ganz anderer Druck auf den Menschen. Oder nehmen Sie New York, mit den vielen Einwanderern &#8211; oder insgesamt die USA mit den vielen Hispanics &#8211; da ist eine ganz andere Bewegung, eine andere Reibung. Natürlich sind da auch ganz andere Möglichkeiten. Das New York der 80er Jahre, als keiner den Überblick hatte, war ziemlich wild. Viele sagen, es erinnert sie an das Berlin von heute. Und so hat jede Stadt, auch einen gewissen Entwicklungsabschnitt, in dem sie sich befindet. In Berlin ist es gerade besonders spannend, weil es diese Konstellation so sonst nirgends auf der Welt gibt.</p>
<p>MR_ <strong>In Berlin ändert sich vieles. Ich habe den Eindruck, es wird vieles professioneller.</strong></p>
<p>NJ_ Die Leute werden älter.</p>
<p>MR_ <strong>Ja, sie werden älter und haben auch einen anderen Anspruch. Es ist ein deutlich anderer Dreh dazugekommen, als etwa vor zehn Jahren in Berlin. Was mich lange gestört hat, an dieser Stadt – was ich auf der einen Seite sehr mochte, weil man sehr viel Raum zum Ausprobieren hatte, aber was auf der anderen Seite auch am Weiterkommen hindert, man blockiert sich ja selber &#8211; ist dieses ewige „Gebastel“. Jeder bastelt was.</strong></p>
<p>NJ_ Ja, jeder ist zwischen zwei Projekten. Sie treffen jemanden, „was machst Du grade“ „wir arbeiten gerade an so einem Projekt,“ sechs Wochen später trifft man ihn, „na, wie läuft das Projekt“ „welches Projekt.“</p>
<p>MR_ <strong>Genau.</strong></p>
<p>NJ_ Das liegt aber eben auch daran, wie viel Druck auf den Leuten lastet. In Berlin gab es das lange nicht. Aber was macht man hier? Stellen Sie sich vor, Sie sind Designstudent, Modestudent, und sind fertig hier in Berlin. Wo gehen Sie denn hin? Zu Michalsky? Wenn Sie Glück haben. Was machen Sie in Paris? Da gehen Sie zu Chanel, Dior, Yves Saint Laurent, oder wohin auch immer. Das heißt, dort sind schon ganz andere Strukturen. Die Strukturen wachsen aber in Berlin auch mit der Gesellschaft und der Stadt weiter.</p>
<p>Wer in den neunziger Jahren kam und aufbaulustig war, irgendwas machen wollte, zum Beispiel in der Auguststrasse, Linienstrasse, Scheunenviertel, wo auch immer, zum Beispiel einen Club im Keller&#8230; Zum Beispiel Cookie. Das Cookies war umsonst, for free, easy going, ging alles. Irgendwann hat es Eintritt gekostet, dann ist es mal umgezogen, mittlerweile macht das Cookies Veranstaltungen und hat als Sidekick das Cream und Cookie fährt mit Sicherheit auch nicht mehr in die Uckermark in Ferien, sondern nach Ibiza oder nach Portugal. Was auch genau richtig ist! Diese Entwicklung gibt es mit vielen anderen Leuten auch. Die Autos sind heute Range Rover und nicht mehr der Passat&#8230; So wächst alles und dem entsprechend, wachsen auch die Ansprüche. Es gibt viele Berliner, die jetzt international arbeiten, zum Beispiel Stylisten oder Fotografen, die leben in Berlin, fahren nach Paris, gehen dort Mittagessen, bekommen den Job bezahlt nach Pariser Tarif. Wenn sie zurückkommen fangen sie an, bestimmte Standards, die sie von dort kennen, auch hier nachzufragen. Sei das Organic Food, gewisse Dienstleistungen&#8230; und das wächst dann alles Stück für Stück. In Berlin ist eine unglaubliche Aufbruchs- und Unternehmerstimmung. Vieles ist möglich.</p>
<p>Berlin zieht viel Potential an. Es kommen junge Franzosen, Italiener, Engländer &#8211; die wollen auch erst mal Party machen, easy living, das wofür Berlin berühmt ist -  aber sie finden sich auch in Grüppchen zusammen und machen gute Sachen. Das ganze intellektuelle Potential, das rein gesogen worden ist in die Stadt, das muss erst noch sichtbar werden – und auch erfolgreich. Ich glaube, das ist genau der Prozess, der die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre interessant ist.</p>
<p>Im Bereich Wissenschaft ist Berlin ja bereits gut aufgestellt. Mit Adlershof bekommen wir einen guten Technologie-Standort, die Charité gehört neben Harvard mittlerweile zu den weltbesten Medizin-Standorten. Künstler sind exzellent vertreten, das Design-Dienstleistungssegment ist mit vielen Grafikern und anderen Freelancern gut vertreten. Was natürlich fehlt, ist eine industrielle Basis. Die Industrie wurde lange über den Westen subventioniert und nach der Wende konnten die Betriebe nicht mehr existieren, weil sie von Transferleistungen gelebt haben und als sie sich dann dem Markt stellen mussten, gingen sie den Bach runter. Auf der anderen Seite sehe ich das aber auch halb als Vorteil. Wenn man sieht, was derzeit in Thüringen passiert oder auch im Ruhrgebiet – wir müssen in Berlin nicht de-industrialisieren. Das ist in Thüringen ein richtiges Desaster. Man verwendet Steuergelder, um Opel aufrecht zu erhalten, aber die Amis haben sowieso vor, abzuhauen. Man macht sich was vor, wenn man noch zwei Jahre die Arbeitsplätze hält – danach kommt die Schließung so oder so. Wenn wir uns jetzt vorstellen, wir hätten in Berlin auch noch Autowerke zu stützen, die langsam dahinsiechen, weil die Produktion sich nun einfach mal nach Asien verlagert&#8230;</p>
<p>Die Amerikaner sind da schon weiter. Es gibt ja drei Hauptsektoren, Agrar, Produktion, also Industrie, und Dienstleistungen. Die USA sind im Dienstleistungssektor schon sehr weit. Eine Dienstleistung kann ich nicht von woanders her bekommen. Stellen Sie sich vor, Sie bestellen sich eine Massage, die kommt nicht aus China, die kommt aus Berlin. Oder Sie lassen sich die Nägel machen, dafür fliegen Sie nicht nach Hong Kong oder lassen sich was schicken, das machen Sie vor Ort.</p>
<p>MR_ <strong>Dann sehen Sie die Zukunft Berlins eher auf dem Dienstleistungs- oder Handelssektor?</strong></p>
<p>NJ_ Im Bereich Dienstleistung und Tourismus. Aber ich glaube, dass auch andere Branchen sich hier wieder ansiedeln werden. Es gibt ja schon erste Versuche, zum Beispiel im Bereich der Medien. Wenn man sich allein die Filmbranche anschaut &#8211; was die aus Köln und München nach Babelsberg oder nach Berlin gebracht hat, das ist schon beachtlich. Berlin hat viel Potential. Jedem gefällt’s, alles ist gut – „allet schick,“ wie man hier so sagt.</p>
<p>MR_ <strong>Haben Sie ein persönliches Motto, oder gibt es einen Grundsatz, nach dem Sie leben, ein Leitmotiv?</strong></p>
<p>NJ_ Ja, das rheinische Glaubensbekenntnis. Das habe ich, als ich klein war, durch meinen Großvater kennen gelernt. „Tu niemand was an, was Du nicht willst, was man Dir antut, jeder Jeck is ene andere, jedem Tierchen sein Pläsierchen“ &#8211; so was in der Richtung. Das sind ein paar Grundregeln, die einfach überall funktionieren und ich glaube daran.</p>
<p>MR_ <strong>Ihr Großvater ist jemand, der für Sie besonders wichtig ist?</strong></p>
<p>NJ_ Ja, klar, aber auch genau so wichtig ist mein Vater. Von meinem Großvater habe ich viel gelernt, was Lebensweisheiten angeht. Aber alle anderen in meiner Familie sind mir aber ebenso wichtig. Ich habe auch viel von meiner Mutter gelernt. Ich bin auf dem Land aufgewachsen, dort bekommt man viele solcher Grundsätze mit. „Et is wie et is“. Vielleicht wäre das sogar das Obermotto. Es kütt wie et kütt und et is noch immer jut jejangen. Und sonst versuche ich, ohne Furcht durchs Leben zu gehen. Das ist auch wichtig.</p>
<p>MR_ <strong>Was bedeutet für Sie persönlich Glück?</strong></p>
<p>NJ_ (Pause)&#8230; Das ist schwer zu sagen. Gesundheit, dass alle Leute die mir wichtig sind, gesund sind, das ist vielleicht das größte Glück. Und Sachen machen zu können, die einem Spaß machen, das ist auch Glück. Glück ist auch, wenn es allen Leuten gut geht, besonders denen, die einem wichtig sind. Glück gehört entscheidend dazu zum Leben. Man braucht Glück. Das weiß ich auf jeden Fall auch. Und sonst&#8230; Gustav Gans? (lacht) Man sollte genügsam und demütig sein. Man wird oft darauf trainiert, dass Glück nur das und das heißt &#8211; mir reicht das relativ simpel. Eigentlich reicht würde es reichen, wenn alle gesund sind und hier sind. Alles andere kommt und geht und heißt auch nicht so viel. Es kütt wies kütt und ist wie’s ist.</p>
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		<title>Der verwunschene Prenzlauer Berg</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Sep 2013 18:07:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Rauh</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Was macht die denn da?“ fragt die Frau mit der gelbstichigen Dauerwelle ihren Mann. „Die fotografiert“ ist seine absolut richtige Antwort. Jetzt ist die Frau bestürzt. „Ja, was fotografiert die denn?“ &#160; &#160; Ich stehe mit meiner kleinen Digitalkamera in Neukölln und halte Lieblingsorte fest. Jetzt, wo der Flughafen Tempelhof geschlossen und nicht mehr mit dickbäuchigen Ruhestörern im Landeanflug zu rechnen ist, wird sicher bald ein anderer Wind in diesem patinierten, etwas ruppigen Bezirk wehen. Schließlich hat Neukölln neben Trainingsanzug-tragenden Alkoholikern einiges zu bieten: Richtig viel Grün in Form schöner Parks (z.B. Körnerpark, Comeniusgarten, Hasenheide, Gutspark Britz, Britzer Garten) und Schatten spendender Alleen, klare Bauhausarchitektur und Fassaden, denen man den gutbürgerlichen Wohlstand auch unter Tags und altem Putz noch ansieht, dörfliche Kieze, wie das  etwas versteckt liegende Rixdorf mit seinen kleinen Häuschen und den Hinterhof-Obstgärten. Und gar so arm wie immer behauptet wird, ist der Bezirk wohl auch nicht: Direkt an der Karl-Marx-Strasse liegt die Deutsche-Bank-Filiale mit dem angeblich größten Umsatz in Berlin; das behauptet jedenfalls die Dame von der Hausverwaltung, die mir eine Wohnung in der Nachbarschaft zeigt. Wenn man’s nicht besser wüsste, fühlt man sich an manchen Stellen fast wie in einer Art verwunschenem Prenzlauer Berg. Nur, dass Neukölln mehr Bäume hat  und angenehm durchmischt [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>„Was macht die denn da?“ fragt die Frau mit der gelbstichigen Dauerwelle ihren Mann. „Die fotografiert“ ist seine absolut richtige Antwort. Jetzt ist die Frau bestürzt. „Ja, was fotografiert die denn?“</p>
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<p><img alt="IMG_2555" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/08/IMG_2555-1024x768.jpg" width="1024" height="768" /></p>
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<p><img title="More..." alt="" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" />Ich stehe mit meiner kleinen Digitalkamera in Neukölln und halte Lieblingsorte fest. Jetzt, wo der Flughafen Tempelhof geschlossen und nicht mehr mit dickbäuchigen Ruhestörern im Landeanflug zu rechnen ist, wird sicher bald ein anderer Wind in diesem patinierten, etwas ruppigen Bezirk wehen. Schließlich hat Neukölln neben Trainingsanzug-tragenden Alkoholikern einiges zu bieten: Richtig viel Grün in Form schöner Parks (z.B. <a href="http://www.k%C3%B6rnerpark.de/" target="_blank">Körnerpark</a>, <a href="http://www.comenius-garten.de/live/html/index.php" target="_blank">Comeniusgarten</a>, <a href="http://www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/stadtgruen/gruenanlagen/de/gruenanlagen_plaetze/neukoelln/volkspark_hasenheide/index.shtml" target="_blank">Hasenheide</a>, <a href="http://www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/stadtgruen/gruenanlagen/de/gruenanlagen_plaetze/neukoelln/gutspark_britz/index.shtml" target="_blank">Gutspark Britz</a>, <a href="http://www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/stadtgruen/gruenanlagen/de/gruenanlagen_plaetze/neukoelln/britzer_garten/index.shtml" target="_blank">Britzer Garten</a>) und Schatten spendender Alleen, klare Bauhausarchitektur und Fassaden, denen man den gutbürgerlichen Wohlstand auch unter Tags und altem Putz noch ansieht, dörfliche Kieze, wie das  etwas versteckt liegende <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%B6hmisch_Rixdorf" target="_blank">Rixdorf</a> mit seinen kleinen Häuschen und den Hinterhof-Obstgärten. Und gar so arm wie immer behauptet wird, ist der Bezirk wohl auch nicht: Direkt an der Karl-Marx-Strasse liegt die Deutsche-Bank-Filiale mit dem angeblich größten Umsatz in Berlin; das behauptet jedenfalls die Dame von der Hausverwaltung, die mir eine Wohnung in der Nachbarschaft zeigt. Wenn man’s nicht besser wüsste, fühlt man sich an manchen Stellen fast wie in einer Art verwunschenem Prenzlauer Berg. Nur, dass Neukölln mehr Bäume hat  und angenehm durchmischt ist, gesellschaftlich wie kulturell. Das war Prenzlauer Berg ja irgendwie nie.</p>
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<p>Zur Bildstrecke</p>
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<p><img alt="koernerpark" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/08/koernerpark1.jpg" width="700" height="450" /></p>
<p><img alt="cgarten" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/08/cgarten.jpg" width="700" height="450" /></p>
<p><img alt="cafe8eck" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/08/cafe8eck.jpg" width="700" height="450" /><br />
<img alt="IMG_2565" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/08/IMG_2565.jpg" width="700" height="450" /><img alt="chic" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/08/chic.jpg" width="700" height="450" /></p>
<p><img alt="fenster" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/08/fenster-1024x768.jpg" width="1024" height="768" /><img alt="rixdorf2" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/08/rixdorf2.jpg" width="700" height="450" /><img alt="rplatz" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/08/rplatz.jpg" width="700" height="450" /><img alt="platz" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/08/platz.jpg" width="700" height="450" /><img alt="fassade" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/08/fassade.jpg" width="700" height="450" /><img alt="tuer1" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/08/tuer1.jpg" width="700" height="450" /><img alt="Haus" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/08/Haus.jpg" width="700" height="450" /><img alt="IMG_2532" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/08/IMG_2532-1024x768.jpg" width="1024" height="768" /><img alt="feld" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/08/feld.jpg" width="700" height="450" /><img alt="Anfang" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/08/Anfang.jpg" width="700" height="450" /><img alt="passage" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/08/passage1.jpg" width="700" height="450" /><img alt="IMG_2522_1" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/08/IMG_2522_11.jpg" width="700" height="450" /><img alt="rixdorf1" src="http://www.sounds-like-me.com/news/wp-content/uploads/2009/08/rixdorf1.jpg" width="700" height="450" /></p>
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